Der Postschimmel

Im Netz der deutschen Postordnung verfing sich das bayerische evangelische Missionswerk. Den Protestanten in Neuendettelsau, die auf ihre Briefumschläge die Aufforderung „Das Evangelium mit andern teilen“ stempeln wollten, erteilte die Oberpostdirektion Nürnberg eine Abfuhr. Sendungen mit religiösen oder politischen Vermerken auf der Aufschriftenseite würden nicht befördert. Zur gleichen Zeit erhielten Millionen Bundesbürger jedoch eine Postwurfsendung des rechtsextremen Münchner Verlegers Gerhard Frey, die für die „Deutsche Volksunion“ warb. Sie trug auf der Vorderseite eine Abbildung des Brandenburger Tores, die Parole „Erst Deutschland – dann Europa“ und sogar den Hinweis „Persönliche Zustellung durch Ihren Postzusteller“. Proteste beantworteten die Postler mit Paragraphen-Logik: Bei der Wurfsendung habe es sich um „aufschriftlose“ Post gehandelt; wo aber die Aufschrift fehle, existiere eben auch keine Aufschriftenseite. Die Beförderung der Rechtsextremistenparole sei also ebenso rechtens gewesen wie die Ablehnung der Missionsbotschaft,

Die Fahne hoch

Noch etwas unsicher bewegt sich Japan in seiner neuen Rolle als Finanzmacht Nummer eins. Es lebte sich so schön im Windschatten der Weltpolitik. Nun wollen die Japaner zwar größere internationale Verantwortung tragen, doch wissen sie bisher nicht so recht wie. Klar zu sein scheint nur: Der neue Internationalismus bedarf einer festen vaterländischen Verankerung. Dies glaubt jedenfalls das Erziehungsministerium in Tokio, und so verkündete es neue Richtlinien für den Schulunterricht. Der Respekt vor dem Kaiser steht künftig wieder auf dem Lehrplan. Über Japans Schulhöfen wird vom nächsten Jahr an wieder die Fahne mit der aufgehenden Sonne flattern, und bei Abschlußfeiern wird die Nationalhymne Kimigayo angestimmt. Kritikern, die fürchten, so werde ein neuer Nationalismus geschürt, tritt Erziehungsminister Takeo Nishioka entgegen: Wenn die Kinder schon die eigene Flagge und Hymne nicht respektierten, wie könnten sie da Achtung vor den Symbolen anderer Nationen haben? – eine Logik, die Japans mißtrauischen Nachbarn nicht auf Anhieb einleuchten wird.

Falsche Zahlen

Verzählt hatte sich der Zeitspiegel in Ausgabe Nummer 12, der über Spenden für „Arme Kinder“ an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef berichtete. Die Überweisungen des deutschen Komitees liegen bei sechzehn Millionen Dollar und damit an der Spitze aller privaten Zuwendungen; die Bundesregierung leistet jährlich einen Beitrag von zwölf Millionen Dollar und nimmt damit Platz elf unter den Staaten ein, die die Arbeit von Unicef finanziell unterstützen.