Dem Satz kann man nur zustimmen: "Es ist eine Schande, daß eine der reichsten Industrienationen der Welt nicht in der Lage ist, allen Bürgern Arbeit zu verschaffen." Der dies schreibt, ist der stellvertretende Chefredakteur der Wirtschaftswoche,. In seinem neuen Buch:

  • Ralf-Dieter Brunowski:

Das Ende der Arbeitslosigkeit

Piper Verlag, 1988; 200 S., 28,– DM

Seine Vorschläge zur Beendigung der Arbeitslosigkeit als "Alternativen zum herrschenden Nichtstun" haben den Vorzug, daß sie sich nicht im ideologischen Schlagabtausch zwischen Nachfrage- und Angebotsökonomen erschöpfen, vielmehr auf der Grundlage einer Fülle empirischer Daten einige plausibel erscheinende Wege aufgezeigt werden – wenn diese auch keinesfalls neu sind: Mehr Investitionen im Umweltschutz, Förderung von Kleinbetrieben und Selbständigen, größeres Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen sowie mehr Dienstleistungen für Unternehmen und privaten Konsum.

Richtig ist hierbei, daß die Notwendigkeit zur Umverteilung auch auf die Seite des "Kapitals" ausgedehnt wird: zwischen kapitalintensiven Großbetrieben einerseits und arbeitsintensiven andererseits.

Auffällig ist jedoch der Mangel an Ausgewogenheit bei der praktisch-politischen Auseinandersetzung. Wer die Gewerkschaften, die in der Bundesrepublik wie in kaum einem anderen westlichen Industrieland nachweislich zu der beispielhaften wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beigetragen haben, in einem so negativen und zum großen Teil falschen Bild erscheinen läßt, bringt sich um die Glaubwürdigkeit. In dem Kapitel "Interessengruppen – Verursacher der Arbeitslosigkeit" übt Brunowski zwar mehr oder weniger verhaltene Kritik an Bauernverband, Handwerk und sonstigen Berufsverbänden; geprägt ist das Kapitel jedoch durch heftige Ausfälle gegen die Gewerkschaften als angebliche Hauptverursacher der Arbeitslosigkeit.