ZEIT: Herr Minister Töpfer, schon vor Monaten geißelten Sie den Giftmüllexport als „das Unverantwortlichste, was es gibt“. Nun behaupten Kritiker, daß nicht zuletzt auf Druck der deutschen Delegation die Baseler Konvention das schmutzige Geschäft legalisiert. Haben Sie Ihre Meinung geändert?

Töpfer: Ganz und gar nicht. Bereits gegenwärtig gibt es keinen Giftmüllexport aus der Bundesrepublik Deutschland in Länder der Dritten Welt. Wenn so etwas vorkommt, dann ist es illegal. Und es ist und bleibt unser Ziel, nicht nur für die Bundesrepublik, sondern generell für alle Staaten: Giftmüllexport in Entwicklungsländer darf nicht stattfinden.

ZEIT: Immerhin soll Giftmüll ja in Zukunft in jene Dritte-Welt-Länder exportiert werden dürfen, die eine umweltgerechte Behandlung garantieren können. Die Entwicklungsländer hatten aber ursprünglich ein Verbot gefordert.

Töpfer: An der Bundesrepublik ist ein generelles Exportverbot in die Dritte Welt nicht gescheitert. Ganz im Gegenteil: Wir haben das mit großem Nachdruck mitgetragen. Nur, die Möglichkeiten einer Konferenz von über hundert Staaten sind begrenzt.

In Basel ist aber immerhin erreicht worden, daß die Entwicklungsländer generell Importverbote aussprechen können, sich also selbst gegen jeden Import zur Wehr setzen können.

ZEIT: Nach dem Konventionstext sind Exporte nur möglich, wenn im Empfängerland eine umweltgerechte Behandlung sichergestellt ist. Man hat sich aber nicht darauf einigen können, was das eigentlich ist.

Töpfer: Das ist für mich auch einer der entscheidenden Eckpunkte. Wir haben uns ja noch nicht einmal in der Europäischen Gemeinschaft darauf einigen können, welche Umweltanforderungen die Entsorgungsanlagen erfüllen müssen. Gerade deshalb bin ich der Meinung, daß die Zustimmung der Importländer allein den Export nicht rechtfertigen kann.