Von Jürgen Kremb

Ein bißchen großspurig klingt es schon, was der 37jährige Computeringenieur Jim Chuang erzählt: „Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, fremde Computer einfach nachzubauen. Jetzt sind wir so gut, daß wir bald IBM schlagen werden.“ Jim Chuang ist Betriebsleiter des taiwanesischen Computerherstellers Mitac. Der Optimismus hat seinen Grund. Um jeweils siebzig Prozent stieg der Umsatz der Firma in den vergangenen drei Jahren. Rund 200 Millionen US-Dollar betrug er 1988. Die 1200 Angestellten, deren Durchschnittsalter 26 Jahre beträgt, werden im laufenden Jahr rund 50 000 Computer vom Band rollen lassen.

Obwohl Mitac in Taiwan nur den zweiten Platz hinter dem Produzenten Acer einnimmt, war die Firma jahrelang ein Vorbild für den Aufbau der Computerindustrie in dem Schwellenland. Schon 1974 entwickelte Mitac die erste kommerzielle chinesische Software, rüstete die Steuerbehörde des Landes erstmals mit einem kompletten Datenverarbeitungssystem aus und baute eine Verkehrsleitzentrale für das gut entwickelte Autobahnnetz der knapp 500 Kilometer langen Insel. „Wir versuchten, erst einmal einen Markt für unsere Produkte zu schaffen“, meint Firmengründer Matthew Miao.

Erst startete das Unternehmen mit der Produktion von Mikro-Computern. Miao führt seinen Erfolg besonders auf eine geschickte staatliche Technologiepolitik zurück. „Taiwan hat sich in den letzten Jahren eine Infrastruktur aufgebaut, um eine signifikante Rolle in der weltweiten Computerindustrie spielen zu können“, sagt er.

Nirgendwo wird das deutlicher als in der Millionenstadt Hsinchu. Eine Autostunde von der Hauptstadt Taipeh entfernt, liegt der science based industrial park, den die Regierung im Dezember 1980 gründete: Außer Mitac haben sich bis heute 82 High-Tech-Produzenten angesiedelt. Jedes Jahr sollen fünfzehn neue hinzukommen.

Die Regierung sorgte mit dem vergleichsweise geringen Aufwand von 200 Millionen US-Dollar für die Infrastruktur und stellte 200 Standard-Fabrikgebäude zur Verfügung. Außerdem werden massive Steuerersparnisse geboten. Einzige Auflage: Es muß High-Tech produziert werden.

Für das rohstoffarme Aufsteigerland hat sich das schnell ausgezahlt. Mehr als 10 000 Menschen arbeiten heute im Park. Drei Viertel davon sind in der Elektronikindustrie beschäftigt. Sie arbeiten an der Weiterentwicklung von Computern und Skannern, entwerfen Software und setzen Terminals für ausländische Firmen zusammen. Daneben wird an Medizintechnik und Gentechnologie gearbeitet.