Eigentlich wollten wir ja das Thema auf sich beruhen lassen, aber seit wir neulich im stern den Männermoden-Sonderteil „Adam ’89“ gelesen haben, reden wir beim Zwiebel- und Kartoffelschneiden wieder verstärkt über französische Philosophie.

Ja, der esprit der grande nation, Lacan und Derrida, Bataille und Baudrillard, le désir und la structure, der Geist und der Appetit! Stundenlang können wir uns daran sattreden, aus Zwiebeln und Kartoffeln wird structure vulgo Reibekuchen, und das Begehren wächst.

Damals, als wir das Buch, wie hieß es doch gleich? gelesen hatten, schien es uns zwar dunkel wie die Hegeische Weltgeschichte und ungereimt wie die zehnte Duineser Elegie, aber irgendwie halt interessant. Kurze Zeit später kam „Hundert Jahre Einsamkeit“ und dann „Der Name der Rose“, und wir vergaßen leider den Unterschied zwischen difference und differance, über den der Meisterdenker D. (oder war es G.? aber L. war es jedenfalls nicht) so eloquent geschrieben hatte.

Und jetzt, im stern-Journal „Mode und Kosmetik“, Seite 147 folgende, die vertrauten, unvergeßlichen Sätze, der erlesene Schmelz französischen Geistes: „Die Wahrheit des Körpers ist die Begierde“, und „der nicht wahrnehmbare Tumult der Kreisläufe unter der flachen, gestaltlosen Haut“, der „Mythos des Vergnügens“ und „das Arsenal des Konsums“ – Essenzen des Soziologen Jean Baudrillard, Denk-Dessous der Soziologin Viviane Forrester.

Haute Couture des Geistes – und dazu Unterwäsche vom Feinsten: heiße Slips und enge Leibchen des griechischen Designers Nikos, hauchzart photographiert an den Stränden der Karibikinsel Virgin Gorda. Da spannt sich edelste structure über pralle, muskulöse Schenkel und Schultern, da verdeckt durchsichtiges „Lycra-Elastik“ nur halbherzig des Mannes männlichstes Teil; und dazu gibt es eine Prise Philosophie, einen Hauch von Aphoristik, wie es gerade paßt.

Und wie es paßt! Dem stern, daran zweifeln wir am Küchentisch längst nicht mehr, ist die Enthüllung einer brandneuen philosophischen Richtung gelungen – des Popostrukturalismus. Baudrillard und heiße Höschen – das ist der vielleicht letzte Schnappschuß der abendländischen Intelligenz. Und nun wenden wir uns, voller Begierde und Kartoffelduft, wieder den Reibekuchen zu. Finis