Privatanleger werden in diesem Jahr fast 132 Milliarden Mark auf die hohe Kante legen. Von dieser Größenordnung gehen die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus. Die Ersparnisbildung läge damit um 1,5 Milliarden Mark niedriger als 1988. Kräftig zunehmen wird nach der Prognose der Berliner Experten ein weiteres Mal das, was die Bundesbürger zusätzlich in ihren Sparstrumpf stecken. Schon 1988 erhöhte sich das Horten von zinslosem Bargeld um 18,5 Milliarden Mark nach 12 und 8 Milliarden Mark in den beiden Vorjahren. Dieses Phänomen – ausgerechnet in einer Zeit erhöhter Zinsen – wird vom DIW mit einer zunehmenden Verunsicherung der Sparer erklärt: „Viele wissen noch nicht, wie sie ihr Geld anlegen sollen, und manche mögen auch befürchten, der Quellensteuer werde eine Aufweichung des Bankgeheimnisses gegenüber dem Fiskus folgen.“

Auf der Suche nach der geeigneten Sparform dürften sich wieder mehr Anleger längerfristig bei Banken, Bausparkassen und Versicherungen festlegen. Die Forscher beziffern den Betrag für 1989 mit 87 Milliarden Mark. Der Einbruch vom vergangenen Jahr scheint wettgemacht zu werden. Nur 66 Milliarden Mark waren es damals gewesen, 19 Milliarden weniger als 1987.

Aktien dürften im Wert von 4 Milliarden Mark geordert werden, das sind 3,3 Milliarden Mark weniger als im Jahr nach dem Crash. Anleihen spielen aller Voraussicht nach weiterhin eine wichtige Rolle. Nach der DIW-Prognose kaufen Anleger in diesem Jahr für 35 Milliarden Mark festverzinsliche Wertpapiere. Im Jahr zuvor hatten sie 37,3 Milliarden Mark für Rentenwerte übrig.

In dem Berliner Institut schätzt man, daß die Anleihezinsen zwischen 7 und 7,5 Prozent liegen werden, der Sparzins für Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist dürfte sich auf dem Niveau von 2,5 Prozent halten, was von der Höhe her dem vorausgesagten Preisanstieg entspräche.

Das Bundesfinanzministerium senkte den Ausgabekurs für fünfjährige Bundesobligationen um einen knappen Prozentpunkt. Die Papiere mit einem Nominalzins von 6,5 Prozent werden mittlerweile zu einen Kurs von 98,80 Prozent ausgegeben. Dadurch erhöht sich die Rendite von 6,60 auf 6,79 Prozent. kah