Von Helmut Schödel

Hochmut gegen Hochmut, Spott gegen Spott.

Büchner

Als der Aufstand schon zerschlagen war, brannte Zürich noch einmal. Godzilla erschien über der Stadt, die Häuser leuchteten wie Fackeln, Strommasten knickten um – die Bürger rannten um ihr Leben. Am Ende von "Züri brännt", einer Dokumentation über die Jugendunruhen von 1980 ("ein heißes Jahr in einer kalten Stadt"), mischten die Regisseure des Zürcher Videoladen-Kollektivs Bilder aus einem Horrorfilm mit Szenen des Aufstands: Godzilla erschien als Barrikaden-Echse. Mit Tränengas, Gummigeschossen und Wasserwerfern bekämpfte die Zürcher Bürgerschaft die Revolte wie ein Monster.

In Wirklichkeit brannte Zürich schon längst nicht mehr. Das AJZ, das Autonome Jugendzentrum, Symbol der Gegenkultur, war geschlossen worden. Die Oper, als Subventionsmoloch den Aufständischen ein Stein des Anstoßes, erstrahlte in neuem Glanz. Durch die Innenstadt hallte wieder das Schweigen profitabler Diskretion, und der See hatte Grund zu lächeln. "Züri brännt" endete mit Bildern einer düsteren Schneelandschaft. Wie das Ende eines bösen Märchens sprach der Kommentator den Epilog. "Ein langer, arschkalter Winter steht vor der Türe."

Aber er versprach auch, kleine Gruppen würden weiterhin "Zeichen ihrer Existenz setzen, die unmißverständlich an die Sprache eines heißen Sommers erinnern". An den Sommer 1980, als die Revoltierer wie "Ratten" (Videoladen) aus dem Untergrund der Stadt auftauchten – "wild wuchernd und fröhlich". Jetzt aber hieß es: "Die Helden gehen ins Gefängnis, das große Suchen beginnt von neuem."

Die versprochenen Zeichen setzte in den folgenden Jahren auch der Videoladen selber. Es gab ihn schon seit 1976, gegründet (und als Kollektiv verstanden) von Publizistik- und Soziologiestudenten. Stechend war der Blick der Videokamera in jener Zeit, starr auf die Mißstände und die Köpfe der Interviewpartner gerichtet, auf Gute und Böse. Diese Videos bestanden aus scharfen Kommentaren und talking heads. Nicht um Bilder ging es, sondern um ein kritisches Bild von Zürich und der Schweiz am Ende der siebziger Jahre. Es war die dogmatische Zeit des Videoladens.