Zinsängste beherrschen zur Zeit die Weltbörsen. Nirgends kann sich eine klare Tendenz durchsetzen. Bemerkenswert an dieser Situation ist, daß an allen Börsenplätzen keine Flut von Verkauforders eintraf, so daß scharfe Kurseinbrüche bisher vermieden werden konnten.

Das trifft insbesondere für den deutschen Aktienmarkt zu, dessen Konstitution in den vergangenen Jahren erheblich verbessert werden konnte und bei dem die fundamentalen Daten für einen weiteren Kursaufschwung sprechen – wenn eben nicht die von der Geldentwertung ausgehenden Zinssorgen bestünden. Hinzu kommt, daß sich einige ausländische Anleger vom deutschen Markt wegen der innenpolitischen Situation in der Bundesrepublik fernhalten.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, wenn sich die Kurse der meisten Standardwerte lediglich hin- und herbewegen. Zu einem Durchbruch ist es aber bisher auch deshalb nicht gekommen, weil die Börsianer rasch bereit sind, angefallene Kursgewinne zu realisieren. Für langfristige Anlagedispositionen scheint auch bei den institutionellen Anlegern noch nicht die Zeit gekommen zu sein.

Was die Börse gleichwohl interessant bleiben läßt, sind die immer wieder vorkommenden Sonderbewegungen. So wird der überdurchschnittliche Anstieg bei Hoesch mit Übernahmeinteresse durch British Steel begründet, ein Gerücht, das sich nun schon seit Wochen hartnäckig behauptet. Bei PWA, wo der Kurs in diesem Jahr um knapp dreißig Prozent gestiegen ist, werden ebenfalls Aufkaufsvermutungen geäußert.

Feldmühle Nobel verzeichnete in der gleichen Zeit ein Kursplus von mehr als 25 Prozent. An der Börse weist man auf die gute Lage der papiererzeugenden Branche hin, hält aber auch ein neuerliches Interesse der beiden Flick-Neffen für möglich. Sie waren im vergangenen Jahr mit einem Übernahmeangebot nicht zum Zuge gekommen. Bei Enka gab es innerhalb der vergangenen drei Monate einen Kursgewinn von mehr als fünfzig Prozent. Hier heißt es, daß Großaktionär Akzo die restlichen freien Aktien in seinen Besitz bringen will. K. W.