Das Gerücht, das sich verdichtet, klingt nicht mehr so absurd, seit Kardinal Meissner aus der DDR nach Köln versetzt wurde: Für Alfons Nossol, den Bischof von Opole (Oppeln), der als Nachfolger Meissners in Berlin im Gerede ist, würde der Weg von der Oder an die Spree nicht ganz in die Fremde führen.

Nossol ist 1932 im oberschlesischen Dorf Broschütz geboren, das seit 1945 Brozec heißt und zwischendurch als „Schobersfelde“ eingedeutscht war. Er spricht Deutsch wie Polnisch von Jugend auf und natürlich den schlesischen Dialekt, in dem sich beide Sprachen und Kulturen „gegenseitig durchdrangen und einen gemeinsamen Schatz bildeten“ – so Nossol 1988 in einem Interview für die Kattowitzer Sonntagszeitung Gosc Niedzelny, wo er zum ersten Mal öffentlich beklagte, daß Schlesier vom polnischen Staat als „Polen zweiter Klasse“ behandelt würden; dadurch seien die Behörden „auch verantwortlich für die Auswanderung vieler Schlesier, die nicht unbedingt Deutsche waren“.

Nossol meint zwar: „Der Mensch braucht Theologie“ (so der Titel seines 1986 in der Schweiz erschienenen Buches). Doch er hält Distanz von der politischen Theologie, jener „eigenartigen nationalistisch geprägten Katholizität“, die in polnischer Romantik wurzelt.

Als Professor an der katholischen Universität in Lublin und seit 1977 als Bischof der Diözese Oppeln engagierte sich Nossol stets für den Bau von „Brücken zu den westlichen Nachbarn“, aber auch für ökumenische Verständigung. Als einziger polnischer Oberhirte ist er Mitglied des „Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen“. Und in Rom gilt er als einer der „Freunde des Papstes“, die nicht alle als konservativ abgestempelt werden können. hjst.