Die Zeiten des Linienflugmonopols für die Deutsche Lufthansa sind endgültig vorbei. Schon jetzt drängen neue Bewerber in die Startpositionen für die neunziger Jahre.

Als jüngster Anbieter von Linienflügen bedient die Münchner Fluggesellschaft German Wings ab 10. April die Strecken zwischen München, Frankfurt, Köln und Hamburg. Im Ausland wird zunächst nur Paris angesteuert. Mit mehr Komfort versucht German Wings, der mächtigen Lufthansa Passagiere abspenstig zu machen: Bei Ticketpreisen auf LH-Niveau wird es bei der neuen Linie pro Sitzreihe anstatt sechs nur vier entsprechend breitere Sitze geben, zudem wird dem Gast auf jedem Flug eine komplette kalte oder warme Mahlzeit serviert, getreu dem Werbeslogan: „Etwas mehr Klasse“. Bereits in diesem Jahr will das Unternehmen damit 350 000 Passagiere in seine Flugzeuge locken.

Einen großen Nachteil des eigenen Angebots, nämlich die geringe Anzahl der Flüge zwischen den Städten, konnte die neue Linie jetzt vor Gericht wettmachen: Lufthansa ist per einstweiliger Verfügung des Landgerichts Düsseldorf gezwungen, German Wings-Tickets auch für eigene Flüge zu akzeptieren. Da die Staatsfluglinie mit dem Kranich keinen Anlaß sieht, „als Steigbügelhalter der Konkurrenz“ zu dienen (LH-Vorstand Frank Beckmann), wird sich die Prozeßspirale wohl weiterdrehen.

Schon seit einigen Monaten bietet der Charterflieger Aero Lloyd innerdeutsche Liniendienste an. Unternehmens-Manager Bogomir Gradisnik setzt im Wettbewerb mit Lufthansa auf niedrigere Preise, bislang jedoch mit wenig Erfolg. Die um rund 15 Prozent billigeren Tickets der Aero Lloyd bieten Geschäftsleuten offenbar zu wenig Anreiz zum Umsteigen auf die neue Linie, die Jets starten oft nur mit einer Handvoll Passagieren. Nun hat Aero Lloyd im Bonner Verkehrsministerium neue, noch günstigere Tarife beantragt.

Als dritter Konkurrent im Kampf um den zahlungskräftigen Linienpassagier trat die englische Air Europe auf den Plan. Je zweimal pro Tag fliegen die Briten mit Boeing 737 von München und Düsseldorf nach London-Gatwick – zu gegenwärtig konkurrenzlos günstigen Tarifen. Nachdem sich Air Europe nun auch zu 49 Prozent an der Regionalfluglinie Nürnberger Flugdienst beteiligt hat, erwarten Branchen-Insider auf diesem Umweg neue Attacken auf den deutschen Markt.

Auch das größte Charterunternehmen der Bundesrepublik, die Düsseldorfer LTU, will sich auf den europäischen Binnenmarkt vorbereiten und denkt über Liniendienste nach, allerdings „erst mittelfristig“, wie Pressesprecher Wolfgang Osinski betont.

Dem gerade erst beginnenden Wettbewerb am Himmel sind ohnehin enge Grenzen gesetzt: Schon jetzt sind die Luftstraßen überfüllt, die Lotsen überlastet. Mehr als Service und Flugzeuge werden in Zukunft sogenannte Slots, das heißt die Zuteilung eng begrenzter Zeitspannen für An- und Abflug, über das Schicksal der neuen Fluggesellschaften entscheiden. German Wings zum Beispiel mußte Linienpläne nach Istanbul und Kopenhagen aufstecken, weil für den Flughafen Düsseldorf nicht ein einziger sinnvoller Slot zu erhalten war.