Die Vereinigten Staaten sind, was den Nahen Osten anlangt, zur Zeit im Wartestand. Aber er wird kaum von langer Dauer sein. Angesichts der neuen Bewegung in der Region scheint die bisherige Logik Amerikanischer Passivität – daß die Konfliktparteien weder den Willen noch die Fähigkeit zu Friedensfortschritten vorweisen können – nicht länger haltbar.

Das gleiche gilt für die ablehnende amerikanische Haltung zu einer internationalen Friedenskonferenz für den Nahen Osten. Washington war dagegen, um der Sowjetunion nicht den Weg zu neuem Einfluß in der Region zu ebnen. Aber dies ist durch die jüngsten Moskauer Initiativen zum Anachronismus geworden. Ob es Washington gefällt oder nicht – die Sowjetunion hat sich bereits eine zentrale Rolle auf der nahöstlichen Bühne gesichert. Nun muß Amerika darauf achten, daß es nicht von der Entwicklung abgehängt wird – auch wenn niemand seine Rolle übernehmen kann: Nur die Russen können das Verhalten Syriens beeinflussen, aber nur die Amerikaner Israel an den Verhandlungstisch bringen.

So sind die Umstände zunehmend einer Friedenslösung im Nahen Osten günstig. Jetzt kommt es darauf an, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sie gemeinsam ausnutzen. Die beiden Weltmächte müssen sich auf ein geeignetes Vorgehen für den Verhandlungsbeginn einigen und dies dann bei ihren Verbündeten in der Region durchsetzen.

Amerika und die Sowjetunion sollten zwar nicht versuchen, der Region eine Friedenslösung aufzuzwingen. Aber sie sollten ihr den Prozeß, der zum Frieden führen könnte, verordnen. Die Schwierigkeiten sind immens, der Weg ist voller Gefahren. Aber die Chance darf nicht vertan werden.

  • Shai Feldmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Jaffé Center for Strategie Studies der Universität Tel Aviv.