Von Irene Mayer-List

Wie wird man Millionär? Der amerikanische Selfmademan und Ölmagnat Armand Hammer erklärte es einem Neugierigen einmal so: „Am besten warten Sie auf eine Revolution in Rußland. Dann packen Sie alle Ihre warmen Sachen zusammen und fahren hin. Dort angekommen, machen Sie einen Rundgang durch die Regierungsstellen, die sich mit Handel befassen, mit dem Kaufen und Verkaufen – sicher nicht mehr als zwei- bis dreihundert ...“ An diesem Punkt ging der Fragesteller verärgert weg.

Die Pointe der Geschichte: Der amerikanische Geschäftsmann – inzwischen neunzig Jahre alt – scheffelte tatsächlich auf diese Weise seine ersten Millionen. Als junger Arzt reiste er 1921 nach Moskau, um beim Kampf gegen Hunger und Typhus zu helfen. Doch seine Charité wurde schon bald von einem gut ausgeprägten Geschäftssinn überlagert. Er importierte – mit Gewinn – für die darbenden Sowjetrussen Weizen, Traktoren und Füllfederhalter, verhandelte mit Lenin persönlich über eine Asbestkonzession und gründete die erste, rein kapitalistisch organisierte Bleistiftfabrik der Sowjetunion. Chruschtschow, Breschnew, Tschernenko, sie alle schrieben in den zwanziger Jahren mit Bleistiften, auf denen Hammer stand.

Jetzt sind die Memoiren des alten Herrn auf deutsch erschienen:

  • Armand Hammer:

Mein Leben

Scherz Verlag, Bern, München, Wien 1988; 544 S. 45,– DM