Von Robert Leicht

Merkwürdig war dieser Beitrag schon gewesen. Der Unionsabgeordnete Kittelmann rief dem Redner sogar höhnisch hinterher: "Warum klatschen die Grünen nicht?" Das geschah am 17. Februar, als der Bundestag zum zweiten Mal über die Giftgas-Affäre und die Chemie- und Waffenfabrik Rabta in der libyschen Wüste debattierte. Der Abgeordnete Mechtersheimer führte bei dieser Gelegenheit einen Eiertanz auf: "Erstens: Belege für eine Pharmaproduktion gibt es. Zweitens: Belege für eine C-Waffen-Fabrik gibt es nicht. Drittens: Belege, daß es in Rabta keine C-Waffen-Produktion gibt oder geben soll, gibt es ebenfalls nicht."

Angesichts dieser Rede nach dem Motto "Nichts Gewisses weiß man nicht – und nicht einmal das weiß man genau" war der Zwischenruf des Kanzlers verständlich: "Warum debattieren Sie dann hier überhaupt?" Aber Alfred Mechtersheimer ließ sich nicht beirren. Er müsse dies alles "ganz nüchtern" feststellen: "Ob das nun politisch paßt oder ob ich da jemandem helfe, dem ich gar nicht helfen will, ist eine ganz andere Frage."

Daß er diesem Jemand gar nicht helfen wolle – diese Behauptung wird Mechtersheimer seit dem Osterwochenende so leicht nicht mehr wiederholer können. Am vergangenen Samstag deckte die Süddeutsche Zeitung auf, daß sich Mechtersheimer für eine Stiftung betätigt hat, die vom libyschen Staatschef Muammar al-Ghaddafi finanziert wird – deshalb heißt sie auch "M.A.G. Stiftung für Frieden und Solidarität". Zehn Millionen Dollar sollen auf einem Schweizer Bankkonto ruhen – als Grundstock für diese Stiftung und für andere Projekte. Mitte Dezember 1988 nahm Mechtersheimer an der ersten Sitzung des Stiftungsrates in Zürich teil; zu diesem Treffen hatte Mechtersheimer jenen Anwalt eingeladen, der zuvor in Vaduz die Stiftung juristisch eingerichtet hatte.

Alfred Mechtersheimer, der – ohne Parteimitglied zu sein – noch der Fraktion der Grünen im Bundestag angehört, hat inzwischen nicht gerade dazu beigetragen, sein Vorgehen verständlicher zu machen. Einerseits, so das ehemalige CSU-Mitglied, finde in Libyen "ja auch so etwas wie eine Perestrojka statt"; überdies bemühe er sich, ein so wichtiges Land "wieder dichter an die Völkergemeinschaft heranzuführen". Andererseits will der Friedensforscher mit jener Stiftung so recht nichts zu tun haben.

Der Oberstleutnant a.D. Alfred Mechtersheimer ging schon seit langem eigene Wege, zum Beispiel als er in den siebziger Jahren das Tornado-Projekt massiv und in wesentlichen Teilen zu Recht kritiserte. Während der sich anschließenden Querelen nahm er seinen Abschied als Offizier. Aus dem Einzelgänger scheint ein Sonderling geworden zu sein. Was immer hinter seiner Libyen Connection stecken mag, pure Naivität oder die Erschließung diskreter Geldquellen für seine Politik – in einem hat sich Mechtersheimer überschätzt: Falls Ghaddan seine Politik so grundstürzend ändern will, wie dies der wahre Prophet der Perestrojka in seinem eigenen Lande tut, wird die Welt dies auch ohne den teuren Rat eines deutschen Bundestagsabgeordneten erfahren.