Von Mary Osborn

Ray, mein Mann, hat zwei Jahre als Bauarbeiter an den Kühltürmen von Block 2 auf Three Mile Island (TMI) gearbeitet. Sein Stiefvater war Kranfahrer auf der Baustelle, unser Freund Terry Elektriker, John verlegte Rohre, und Kelly war Klempner. Fast jeder im mittleren Pennsylvania hat einmal für TMI gearbeitet.

Wir hatten hier ein Haus mit großem Garten und vielen Bäumen gekauft – ein wunderbarer Platz auf dem Land, um eine Familie zu gründen

Am Mittwoch, den 28. März 1979, am Morgen des Unfalls, gegen sechs Uhr, machte ich meinem Mann Frühstück, während er draußen sein Werkzeug auf den Lastwagen packte. Er rief: „Komm raus und riech mal.“ Ich dachte, es würde vielleicht nach der Schokolade von Hershey oder dem Brot von Capitol Baker duften. Aber es war, als atmete oder schmeckte man Metall. Es herrschte völlige Stille; kein Vogel zwitscherte an diesem berühmt-berüchtigten Morgen.

Meine damals neunjährige Tochter Leslie ging dann in die Schule, mein zweijähriger Sohn Nicholas und ich blieben fast den ganzen Morgen draußen – es war der erste schöne Tag nach einem langen, kalten Winter. Gegen halb elf fiel mir auf, daß seine Hände und sein Gesicht aussahen, als hätte er einen Sonnenbrand, und meine auch.

Meine Schwägerin Donna rief dann an. Sie sagte, Three Mile Island habe einen Unfall. (...) Ich guckte aus dem Fenster rüber zu TMI, aber es war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Meldungen über den Unfall im Radio oder Fernsehen hörte ich nicht, aber wohl war mir nicht.

Die Katastrophe hatte in der Nacht begonnen: Am 28. März 1979 begannen um 3 Uhr 58 im Kontrollraum Alarmsignale zu blinken und zu schrillen. Kühlpumpen fielen aus. Kontrollraumtechniker lasen ihre Instrumente nicht mehr richtig ab und trafen falsche Entscheidungen. Der Reaktorkern verlor Wasser, dabei stiegen Hitze und Druck. Ein Ventil öffnete sich und schloß sich nicht wieder. Radioaktives Wasser sprudelte auf den Boden des Containmentgebäudes. Das Notkühlsystem schaltete sich ein, wurde aber von einem Techniker wieder ausgeschaltet. Eine Pumpe überflutete ein Nebengebäude mit radioaktivem Wasser, wobei Dampf austrat. Durch die Entstehung einer Wasserstoffblase wurde es notwendig, Wasserstoff direkt aus dem Containment in die Umgebung abzulassen, um eine Explosion und damit einen Unfall vom Typ Tschernobyl zu vermeiden.