Das Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK)

Fünftausend Mitarbeiter auf zweieinhalb Quadratkilometer streng bewachtem Gelände: Die Know-how-Schmiede für die deutsche Atomwirtschaft, das Kernforschungszentrum Karlsruhe, kurz KfK.

Eigentümer: die Bundesrepublik Deutschland (90 Prozent) und das Land Baden-Württemberg (10 Prozent). Sein Auftrag: die angewandte technologische Forschung. Sein Gesamtbudget im vergangenen Jahr: 718 Millionen Mark. Seine Spezialität: „komplexe, risikoreiche Entwicklungen“, (so der Vorsitzende der Geschäftsführung Horst Böhm gegenüber dem Handelsblatt). Seine Parole: Technologietransfer. Seine Freunde: Industrie und Fach-Community. Seine Feinde: die AKW-Gegner. Sein schwierigster Job: die Mitwirkung an Genehmigungsverfahren zur Betreibung kerntechnischer Anlagen.

Das KfK ist ein zuverlässiger Betrieb. Natürlich passiert hier und da einmal ein „peinliches Versehen“, wie Pressesprecher Klaus Körting die illegale Lagerung von 6,6 Tonnen reinen Urans aus dem KfK bei der Hanauer Skandalfirma Transnuklear nannte.

In dem Fundus von Bordellquittungen und Geschenklisten der Transnuklear fand sich mehrfach das Kürzel KfK. – Ein Ausrutscher auf dem Weg in eine strahlende Zukunft.

Vor 33 Jahren wurde das KfK als Großforschungsanlage aus der Taufe gehoben, um der jungen Republik wenigstens im zivilen Bereich den Anschluß an die Atommächte zu ermöglichen. Heute ist es das Disneyland der Atomtechnologie. Dort steht der fleißige Teko, Vorbild der geplanten Wiederaufbereitungsanlage (WAA)in Wackersdorf und der wackere Brutreaktor KNK II, Modell für den Schnellen Brüter. Seit mehr als zehn Jahren speiste er bereits Strom an das öffentliche Netz, als beim Wiederanlaufen im letzten Dezember ein Störfall der Kategorie Eilt gemeldet werden mußte.

Auch das Endlager Gorleben und Schacht Konrad finden sich in Karlsruhe en miniature. Aber auf dem KfK-Gelände probt nicht nur der Simulator Thina Unfälle am Brutreaktor, hier arbeitet auch die gutherzige Tamara eine Müllverbrennungsanlage, die eine Neuorientierung des Technologiezentrums symbolisiert.