Sport nach einem Herzinfarkt? Wohldosierter Skilauf kann bei der Rehabilitation durchaus sinnvoll sein.

No sports“, pflegte Churchill zu antworten, wenn er nach der Lebensweise, die ihn alt werden und hinreichend gesund bleiben ließ, gefragt wurde. Eine ernsthafte medizinische Erkenntnis ist jedoch, daß Sport als individuell dosierte Ausdauertherapie beispielsweise in der Vorbeugung und Rehabilitation von Herzerkrankungen bestens geeignet ist.

Für jede Sportart, die nach einem Herzinfarkt ausgeübt werden soll, gilt, daß der Patient die damit einhergehende Steigerung der Herzfrequenz, des Blutdruckes und der Pumpleistung schmerzfrei verträgt. Wenn er vier Wochen nach seinem Infarkt das Krankenhaus verläßt, darf er eine knappe halbe Stunde in der Ebene spazierengehen. Während langer Rehabilitationswochen wird dem Patienten ein individuelles Ertüchtigungsprogramm unter Berücksichtigung seiner Möglichkeiten und herzleistungsbezogener Grenzen angeraten. Hat der Doktor ihm dann zum Abschluß des Genesungsprozesses das grundsätzliche Okay zum Skisport gegeben, ist es immer noch an einige Bedingungen geknüpft: In den ersten vier Monaten nach, dem Infarkt läuft erst einmal gar nichts; ja, die ungeübten Skifans müssen sogar ganz absatteln. Ihre angstvolle Anspannung und muskuläre Starre sind Gift fürs Herz.

Der technisch versierte alpine Fahrer hingegen fährt elastisch und entspannt, sein Energieverbrauch hängt vor allem von der Dauer der Belastung ab. Und die ist durch regelmäßige Pausen gut zu steuern. Im ersten Jahr nach dem Infarkt darf er sein Können jedoch nur in Höhen bis zu tausend Meter unter Beweis stellen. Da die Sauerstoffverwertung durch die Muskulatur in der Höhe überproportional ansteigt, muß das Herz deutlich mehr pumpen als im Flachland; folglich dürfen die Zweitausender Gipfel erst im zweiten Jahr nach dem Infarkt ins Auge gefaßt werden.

Da Ausdauer das wichtigste Instrument zum Training des Herzmuskels darstellt, bietet der Skilanglauf oder besser das Skiwandern bei moderater Ausführung eine leicht dosierbare und mittels der Herzfrequenz, die der Sportler selbst messen kann, gut zu kontrollierende Belastung.

Schon vom Bewegungsablauf her kann dieser Wintersport als ideal bezeichnet werden, zumal das Laufen im ebenen Gelände mit nur geringem Kraftaufwand verbunden ist.

Da andererseits die eingesetzte Muskelmasse durch die Belastung aller vier Extremitäten sehr hoch ist, kommt es nach längerer Übung zu dem gewünschten Trainingseffekt: Der Ruhepuls sinkt, der Sauerstoffbedarf der Muskulatur nimmt ab, das Herz muß bei gleicher Muskelleistung weniger in den Kreislauf pumpen. Medizinische Untersuchungen gehen unter der Voraussetzung kontinuierlichen Trainings von einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit um 20 bis 30 Prozent aus.