Per Flugzeug können Sie mit ihrem Visum nicht aus Polen ausreisen!" Der Beamte im Warschauer Außenministerium reagiert erkennbar unwirsch auf das Begehren. "Wer mit dem Auto einreist, muß auch mit dem Auto wieder ausreisen." Ich bedeute ihm, daß ich nicht zurück in die Bundesrepublik, sondern nur ein paar Tage zwischendurch nach Budapest fliegen muß. "Da sehe ich keine Chance. Aber fragen Sie bei der Zollbehörde nach."

Für die Zollbehörde ist der Fall kein Problem. "Selbstverständlich können Sie ohne Auto ausreisen. Sie müssen es bis zu Ihrer Rückkehr nur auf unserem Parkplatz abstellen. Dann erhalten Sie die erforderliche Bescheinigung für unsere Kollegen am Flughafen." Froh über die Flexibilität der Behörde rolle ich meinen Fall gleich ganz auf: Seit gestern ist das Auto nicht mehr fahrtüchtig. Es steht mit gebrochener Achse am Straßenrand. Den polnischen Schlaglöchern war der alte Wagen nicht mehr gewachsen. "Kein Problem", sagt der Flexible auf der Zollbehörde, "da brauchen Sie nur eine Bescheinigung der Werkstatt, daß das Auto in Reparatur ist."

Freunde nennen mir die Adressen verschiedener Werkstätten. Die Fachwerkstatt außerhalb von Warschau ist für die nächsten vierzehn Tage ausgebucht. Eine Werkstatt in der Nähe der Wohnung könnte wohl reparieren, aber nicht abschleppen. Eine Werkstatt in der Nähe des Unglücksortes könnte abschleppen – hat aber das Teil nicht vorrätig. "Warum nimmst Du nicht meinen Kraftfahrzeugmechaniker schlägt ein Bekannter hilfsbereit vor. "Er arbeitet sorgfältig, wenn auch langsam, und weiß, wo man Teile besorgt. Der macht das allerdings schwarz – also erst nach der Arbeit."

Gesagt, aber noch lange nicht getan. Den ersten Nachmittag verbringen Herr Zbyszek und ich damit, den Schaden zu analysieren. Die nächsten zwei Nachmittage ist Herr Zbyszek auf der Suche nach Ersatzteilen: "Für Dollar könnten wir sie haben. Aber warum soll man für das alte Auto noch so viel Geld ausgeben?" Den vierten Nachmittag verbringe ich damit, Herrn Zbyszek zu erklären, daß ich sofort mit Dollar bezahlen würde, wenn wir nur nicht warten müßten. Herr Zbyszek ist für einen Kompromiß: "Lassen Sie mich noch am Wochenende auf dem Trödelmarkt suchen."

Am Sonntag regnet es. Ich habe das Auto innerlich schon abgeschrieben – da kommt spät abends der Anruf: Die Ersatzteile sind da. In meinem Kopf beginnt es zu rotieren. Wenn Herr Zbyszek tatsächlich wie versprochen am Montag Urlaub nimmt, um das Auto zu reparieren und die Zollbehörde wie versprochen innerhalb eines Tages die Bescheinigung erteilt, dann könnte ich tatsächlich noch rechtzeitig am Mittwoch nach Budapest kommen...

Montag früh um acht sitze ich neben dem Telephon und rufe die polnische Fluggesellschaft LOT an. Besetzt. Um neun übertrage ich die Aufgabe der Sekretärin, bis zwölf weiß sie Bescheid. LOT und die ungarische MALEV sind sieben Wochen im voraus ausgebucht, die Wartelisten geschlossen. Und mit dem Zug? Das polnische Reisebüro ORBIS teilt mit, die für Budapest erforderlichen Platzkarten seien bis Ende April vergeben.

Ich rufe eine Freundin an. Was kann man jetzt noch tun? "Fahr doch über Ost-Berlin", rät sie – und mir fällt ihre Erzählung vom letzten Wochenende ein. In dem völlig überfüllten Zugabteil fand sich neben den älteren Damen und jungen Männern, die mit Eiern und Butter gen West-Berlin strebten, auch noch ein älterer Herr mit Pullovern: Die waren für Abnehmer in Budapest bestimmt.