Kinder sehen aus wie kleine Menschen. Wie die großen haben sie Hälse und Köpfe, Hände, Füße, Ohren, Augen (nur eben alles kleiner), sie reden und gehen (fast) wie die Menschen, und doch – etwas ist anders.

So können sie sich nicht frei bewegen wie die Großen, sie haben nichts zu sagen, selbst wenn sie sprechen können. Eine Telephonzelle benutzen, aus dem Fenster gucken, oder sich auch nur am Treppengeländer festhalten – alles Tätigkeiten, die Menschen erst ab einer bestimmten Länge zustehen. Sie arbeiten oft acht Stunden am Tag, aber ohne Lohn, weil ihre Arbeit Schule heißt. Tun sie das nicht, darf man sie strafen. Unsere Kleinen werden so kurz gehalten wie die Hunde – liebevoll oder auch nicht, häufig eher nicht. Sie werden oft geschlagen, anders als Haustiere häufig sexuell mißbraucht. Anders als Haustiere auch ist ihre Zahl am schwinden. Vereinzelt nur noch kommen sie bei uns vor. Dort, wo es wie in der Dritten Welt Kinder in Scharen gibt, sollten es unserer Meinung nach weniger sein. Von diesen vielen sterben auch sehr viele (40 000 jeden Tag).

Glücklicherweise faßt sich die Menschheit meist ein Herz für aussterbende Arten, und so sind Kinder ein Thema, nicht erst seit heute. Es müßte, schlug der Präsident des Obersten Gerichtshofs in Warschau, Adam Lopatka, schon vor zehn Jahren vor, ein internationales Abkommen geben, das die Kinder schütze. Mehr noch: ihnen Rechte gebe. Kinderrechte wie Menschenrechte sozusagen, die ja auch – in ihrer unverbindlichen Art, es sind nur Absichtserklärungen – für Kinder gelten, ohne aber deren besondere Schutzbedürfnisse wahrzunehmen. Das war der Startschuß für die Ausarbeitung jener „Konvention über die Rechte des Kindes“, die jetzt fertig ist. Im Herbst soll sie von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet werden.

Das Vertragswerk umfaßt, in der deutschen Arbeitsübersetzung des Bonner Justizministeriums, 34 getippte DIN-A4 Seiten. Eine Präambel mit 13 Absätzen: „Die Vertragsaaten dieses Übereinkommens – [in der Erwägung ... /eingedenk der Tatsache und so fort] – sind wie folgt übereingekommen: Im Sinne dieses Übereinkommens ist ein Kind jeder Mensch im Alter von weniger als 18 Jahren ...“ (Artikel 1).

Es folgen 42 Artikel, die verschiedene Rechte des Kindes festschreiben und Schutzbestimmungen aufstellen, die jeder Vertragsstaat jedem Kind gewähren sollte – „ohne jede Diskriminierung, ohne Unterschied der Rasse, Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache, Religion, politischen und sonstigen Anschauungen, der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geschäftsfähigkeit, Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seiner gesetzlichen Vertreter“. (Artikel 2). Dann folgen zehn Artikel, die die Überwachung des Abkommens regeln.

Jedes Kind hat ein Recht auf Namen und Staatsangehörigkeit (Artikel 7). Ein Kind hat ein Recht darauf, in Gesundheit heranzuwachsen (Artikel 24), es ist zu schützen vor grausamer und erniedrigender Behandlung ‚ vor Folter. Vor der Todesstrafe (Artikel 37), vor sexueller Ausbeutung (Artikel 34). Es hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung (Artikel 13), auf Gedanken-, Gewissens-, Religionsfreiheit. Kinder haben ein Recht darauf, daß ihre Belange berücksichtigt werden:

„Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Wohlfahrt, Gerichten oder Verwaltungsbehörden getroffen werden, ist das Wohl des Kindes eine der mit Vorrang anzustellende Erwägung.“ (Artikel 3)