Die DDR entdeckt ihr Herz für den bundesdeutschen Mittelstand. Bevorzugten die Wirtschaftsplaner im zweiten deutschen Staat bisher die ganz Großen des Kapitalismus, so glauben Kenner des innerdeutschen Handels, seit der jüngsten Leipziger Frühjahrsmesse eine Trendumkehr entdecken zu können: Die Ostdeutschen wollen das Innovationspotential der westdeutschen Klein- und Mittelbetriebe für sich nutzen.

Einer der ersten, die von diesem Trend profitieren, dürfte Berthold Leibinger sein, Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf im schwäbischen Ditzingen. Während der Leiziger Messe besuchte DDR Staats- und Parteichef Erich Honecker Trumpfs Messestand und hielt sich dort – gemessen am unterkühlten Verhältnis zwischen Bonn und Ost-Berlin – demonstrativ lange auf. Unmittelbar danach erhielt Leibinger grünes Licht für den Aufbau einer Firmenkooperation mit dem Werkzeugmaschinenkombinat 7. Oktober in Berlin-Marzahn. Wahrscheinlich schon im nächsten Monat sollen sich Entwicklungsingenieure und Techniker aus Ditzingen und Ost-Berlin treffen, um die Definitionsphase für ein gemeinsam zu entwickelndes Produkt einzuleiten.

Die Kooperation hat Pilotcharakter. Trumpf, ein Spezialist für Laser-Werkzeugmaschinen, will dabei DDR-Maschinen – durch eigene Technologie so ergänzen, daß sie im Westen marktfähig werden. Die DDR hätte auf diese Weise einen einfachen Zugang zu westlichem Know-how und könnte wertvolle Devisen sparen. Umgekehrt könnte Trumpf an Entwicklungen von DDR-Ingenieuren teilhaben und wäre vor allem nicht mehr gezwungen, bei ihren Verkäufen in die DDR (bisher drei Prozent vom Gesamtumsatz) lästige und kostentreibende Kompensationsgeschäfte zu akzeptieren.

Manch einer fragte sich zu Beginn dieses Monats, was wohl den Mannesmann-Chef Werner Dieter geritten haben mag, als er von der Fried. Krupp GmbH den maroden Bereich Hüttentechnik kaufte.

Immerhin mußte Krupp in der Industrietechnik 1988 einen Verlust von insgesamt mehr als 300 Millionen Mark hinnehmen. Inzwischen wird immer klarer: Dieter interessierte sich vor allem für die 350 qualifizierten Krupp-Mitarbeiter, die jetzt die Konzerntochter Mannesmann Demag AG verstärken. Die Geschäfte bei der Demag laufen zur Zeit hervorragend: Mit 4,3 Milliarden Mark erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr den höchsten Auftragseingang seiner Geschichte, der Sektor Hüttentechnik steigerte den Auftragswert allein um achtzig Prozent.

Jetzt meldete die Demag einen neuen spektakulären Großauftrag: Ein unter ihrer Führung stehendes Konsortium wird das dreißig Jahre alte Stahlwerk Dorgapur in Indien für 1,8 Milliarden Mark modernisieren und erweitern. Gleichzeitig gehört die Demag zu den Bewerbern um den Auftrag für die Modernisierung des Stahlwerks Rourkela. Hier dürften die Chancen durch die Übernahme der Hüttentechnik von Krupp erheblich gestiegen sein – Rourkela wurde vor dreißig Jahren von Krupp gebaut.

Neue Perspektiven fürs Telephon: British Telecom, die privatisierte Telephongesellschaft Großbritanniens, hat die Deutsche Bundespost jetzt offiziell eingeladen, sich an einem Konsortium zum Aufbau eines „Telepoint“-Systems zu beteiligen. Einen entsprechenden Brief schickte das Unternehmen an Staatssekretär Winfried Florian vom Bundespostministerium.