Selbstlob stinkt, sagt der Volksmund, auch wenn es nicht mit den Fakten kollidiert. Frau Erika Emmerich, die seit Jahresanfang auf dem Präsidentenstuhl beim Verband der Automobilindustrie sitzt, schaffte jetzt eine Peinlichkeit noch stärkerer Art: Sie belobigte die heimischen Autohersteller für etwas, das im Lichte der Fakten nur Kritik verdient. „Freiwillig“, so erklärte sie, „bietet die deutsche Automobilindustrie in dem Hubraumbereich unter zwei Liter fast die Hälfte ihrer 352 Fahrzeugtypen mit dem geregelten Drei-Wege-Katalysator an. Sie macht damit deutlich, daß sie auch ohne Zwang ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt gerecht wird.“

Wie hoch darf man die Verantwortung einer Industrie für die Umwelt veranschlagen, die es offenbar immer noch für den Normalfall hält, Autos ohne die bestmögliche Abgasreinigung zu bauen? Umweltschutz, das haben Frau Emmerich und ihre Verbandsfunktionäre nicht begriffen, ist Pflicht – nicht Kür. Und deshalb kann es nur heißen: Nur die Hälfte ihrer 352 Fahrzeugtypen in der Mittelklasse und darunter rüstet die Automobilindustrie mit geregeltem Katalysator aus. Immer noch nur die Hälfte, obwohl ein sauberer Auspuff weniger kostet als ein Satz Leichtmetallfelgen.

Und das tun die Autoproduzenten auch keineswegs „freiwillig“. Diesen Ausdruck kann nur ein Bürokrat für die tatsächlichen Umstände verwenden. Starker öffentlicher Druck und massive Geldprämien in Form gestrichener Kraftfahrzeugsteuer wiesen der Industrie den Weg. Die letzte Chance auf das Attribut „freiwillig“ haben die deutschen Autohersteller vor über einem Jahrzehnt vergeben, als die USA und Japan scharfe Abgasgrenzwerte einführten. Damals koppelten sich die Deutschen ab – wie eine beliebige Bananenrepublik. üth