Man solle doch möglichst bald ein „Frankreich-Jahrbuch“ herausbringen, wünschten sich die deutschen Romanisten und „Landeskundler“ schon in den zwanziger Jahren, einer Zeit intensiven politischen und wissenschaftlichen Austausches mit dem fremden Nachbarland. Gut sechs Jahrzehnte mußten ins Land gehen, bis dieses Projekt auf Initiative des (gerade 40 Jahre alt gewordenen) „Deutsch-Französischen Instituts“ in Ludwigsburg verwirklicht worden ist. Der rührige Institutsleiter Robert Picht hat es geschafft, die ziemlich verstreut und spezialistisch vor sich hinarbeitenden sozialwissenschaftlich orientierten Frankreich-Forscher zu jährlichen Konferenzen und Tagungen zusammenzuführen. Und ein Produkt dieser fruchtbaren Kooperation ist das Jahrbuch, das nicht nur in jede Bibliothek gehört, sondern auch über. den engeren Expertenkres hinaus profunde Informationen und Interpre:ationen über die französischen Verhältnisse in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur vermittelt.

Die überwiegend lesbar geschriebenen Analysen stammen von ausgewiesenen Frankreich-Kennern, unter ihnen der „Altmeister“ Gilbert Ziebura, aber auch von talentierten Nachwuchswissenschaftlern. Mancher Beitrag fiel allerdings zu hausbacken-monographisch aus, zum Beispiel über die französischen Parteien. Da wären übergreifende Verknüpfungen ratsam, auch Mut zu unkonventionellen Perspektiven, wie er in anderen Beiträgen schon gezeigt wurde. Doch alles in allem ist dieses Jahrbuch ein sinnvoller Beitrag zum deutsch-französischen Kulturaustausch. Abgerundet wird es durch einen sehr nützlichen Service-Teil mit Kurzinformationen und Registern.

Claus Leggewie

  • Frankreich-Jahrbuch 1988

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Geschichte, Kultur

herausgegeben von Lother Albertin, Marieluise Christadler, Gerhard Kiersch, Adolf

Kimmel, Robert Picht, Gilbert Ziebura

Verlag Leske und Budrich, Leverkusen 1988; 293 S., 31,– DM