Bei der Frage, wie und ob diese vier Möglichkeiten zu nutzen sind, beginnen allerdings die Meinungsverschiedenheiten. Im Zusammenhang mit der stark ideologisierten Energiedebatte in der Bundesrepublik wird zum Beispiel immer wieder gefordert, nur von der ersten und der letzten Möglichkeit Gebrauch zu machen, aber sicher nicht von der dritten.

Aktuelle Überlegungen für die Weltenergiekonferenz, die im Herbst 1989 in Montreal stattfinden wird, weisen freilich aus, daß wirklich nur dann, wenn alle vier Möglichkeiten genutzt werden, eine signifikante Verminderung der jetzigen CO 2– Emissionen zustande kommen könnte. Man muß quantitative Überlegungen anstellen, wenn man zu einer wirklichen Beurteilung der Lage kommen will. Und solche quantitativen Überlegungen müssen alle Weltregionen erfassen, denn der CO 2-Effekt ist ein globaler Effekt, keine Weltregion kann sich dispensieren, und für kein Land kann die Entschuldigung gelten, sein Anteil an den CO 2– Emissionen betrage nur wenige Prozent.

Was quantitativ zu fordern ist, ist in etwa eine Halbierung der heutigen CO 2-Emissionen auf Werte von etwa drei Gigatonnen Kohlenstoff (also CO 2) pro Jahr. Die Atmosphären-Ozean-Dynamik dürfte es wohl zulassen, solche halbierten COj-Emissionen letztlich als Karbonate dem Boden der Tiefsee, der endgültigen Endlagerstätte für die CO 2-Abfälle fossiler Brennstoffe, zuzuführen, ohne daß es zu einem stark spürbaren weiteren Aufbau der atmosphärischen CO 2-Konzentration kommen müßte. Man muß also auf die fossilen Brennstoffe nicht ganz verzichten.

Wenn also nach allen Überlegungen für die Weltenergiekonferenz in Montreal alle vier Möglichkeiten zu nutzen sind, was bedeutet das dann quantitativ für jede einzelne dieser Maßnahmen?

Zur Beantwortung dieser Frage ist es nötig und hilfreich, sich ein Bild der Situation des Jahres 2030 zu machen. Es ist kaum strittig, daß dann eine Weltbevölkerung von etwa acht Milliarden Menschen existiert, heute sind es etwa fünf Milliarden. Der global gesehene mittlere Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie betrug 1987 pro Jahr und Kopf 2,2 Kilowattjahre, oder kürzer: 2,2 kW/Kopf. Dem entspricht grob das Äquivalent von 2,2 Tonnen Kohle/Jahr und Kopf. Allerdings ist der Verbrauch in den Industrieländern im Mittel mit 6,5 kW/Kopf deutlich höher und in den Entwicklungsländern mit 0,73 kW/Kopf entsprechend deutlich niedriger als im statistischen Durchschnitt. Hier liegt ein wesentliches Problem, denn die Entwicklungsländer entwickeln sich und weisen den Löwenanteil des Bevölkerungswachstums auf.

Nun kann man, wie das einige Wissenschaftler tun, annehmen, daß der wachsende Pro-Kopf-Verbrauch in den Entwicklungsländern durch sinkenden Verbrauch in den Industrieländern ausgeglichen wird und sich im statistischen Mittel sogar ein leicht verminderter Welt-Durchschnittsverbrauch von 2 kW/Kopf ergibt. Dies ist allerdings eine durch keinerlei Erfahrung belegte, sondern vielmehr eine rein normativ erhobene Feststellung, die mit weitgehenden infrastrukturellen Konsequenzen verbunden sein dürfte. Sie wird begründet mit dem Argument, in Zukunft könne man mit weniger Energie ein größeres Bruttosozialprodukt erwirtschaften. Innerhalb gewisser Grenzen war das in der Vergangenheit tatsächlich der Fall. Weitgehend bedeutete das jedoch die Substitution von Energie durch Kapital, das heißt moderne Investitionen. Offenkundig läßt sich das aber nicht id infinitum fortsetzen. Es soll damit zum Ausdruck gebracht werden, daß ein global nahezu unveränderter Verbrauch von 2 kW/Kopf eine ganz weitgehende Annahme ist, deren Konsequenzen nicht einfach zu überblicken sind.

Zwei kW/Kopf bedeuten bei acht Milliarden Menschen im Jahr 2030 insgesamt einen Primärenergieverbrauch von 16 Terawatt (= 10 12 Watt) Jahren pro Jahr oder einfacher 16 TW. Heute liegt der Weltenergieverbrauch bei 11 TW. Würde man den seit Mitte der siebziger Jahre klar vorliegenden Trend eines jährlichen Energiezuwachses von knapp zwei Prozent bis 2030 verfolgen, so entstünde statt dessen ein Primärenergieverbrauch von 22 TW. Demgegenüber bedeutete dann ein Primärenergieverbrauch von global nur 16 TW für den Anteil der Industrieländer des Westens und des Ostblocks eine Verminderung um etwa 45 Prozent.