Von Rudolf Kahlen

Diese Werbeschlacht sucht ihresgleichen. Banken und Sparkassen preisen so massiv wie nie zuvor ihre Kreditkarten an. „Sechzig Mark Jahresgebühr und weltweit am meisten verbreitet“, überschreibt die KKB Bank ihre Vierfarbenanzeigen in Publikumszeitschriften und meint: „Das zählt.“ Die Volks- und Raiffeisenbanken begnügen sich auf halbseitigen Zeitungsanzeigen mit dem Hinweis: „Unsere Eurocard“. Deutschlands Großbanken klotzen mit ganzen Seiten. Beim Branchenprimus, der Deutschen Bank, steht in balkenähnlichen Buchstaben drüber: „Der Name zählt“, was sehr dem Slogan der Kreditkartengesellschaft American Express nachempfunden ist, die ihre betuchte Klientel bislang immer wieder aufforderte, mit dem eigenen „guten Namen“ zu zahlen.

Für Volker Nickel vom Zentralausschuß der Werbewirtschaft ist die Kreditkarten-Kampagne „ein klassisches Beispiel für eine Investition in die Zukunft eines Marktes“. Investiert wird mehr denn je. Allein im vergangenen Jahr summierten sich die Werbeaufwendungen für Plastikgeld auf über 56 Millionen Mark, fünfzehn Prozent mehr als 1987.

Das Geschäft mit Kreditkarten verspricht üppige Wachstumsraten. Denn die bislang als Kartenmuffel verschrieenen Deutschen stecken sich immer häufiger diese 86 mal 54 Millimeter großen Rechtecke ins Portemonnaie und zahlen immer öfter auch damit. Zwar werden Rechnungen nach wie vor am liebsten bar oder mit Scheck beglichen, aber die Zahl der hierzulande ausgegebenen Kreditkarten erhöhte sich von einer halben Million Anfang der achtziger Jahre auf mehr als zwei Millionen Ende 1988. In drei Jahren sollen es noch einmal mehr als doppelt so viele sein und langfristig über zwanzig Millionen. Alle, die heute eine Euroscheckkarte besitzen, hätten dann eine Kreditkarte.

Die Werbeschlacht, die sich vor allem Kreditinstitute derzeit liefern, hat einen handfesten Grund. Das Zahlen mit der Karte gilt als „Schlüssel zum Girokonto“, wie ein Geschäftsführer des Sparkassenverbandes sagt. „Denn wer einem Kunden eine Karte verkauft“, so Gustav Adolf Schröder, „hat eine Kontoverbindung gewonnen.“ Und weiter: „Weil die Sparkassen weit über die Hälfte aller Girokunden betreuen, müssen wir schnell und energisch unsere Märkte verteidigen und ausweiten.“

Banken und Sparkassen haben allerdings durchaus auch ein gemeinsames Ziel. Sie wollen nicht noch mehr Terrain an den Handel verlieren, der selbst Kundenkarten herausgibt und mit Konsumentenkrediten längst profitable Geschäfte macht. Einen ersten Erfolg können sie dabei verbuchen. Denn die von Händlern und Hoteliers einst geplante Deutsche Kreditkarte (DKK) wird es nicht geben. Das Projekt wird dieser Tage zu den Akten gelegt.

Ein zweiter Erfolg bahnt sich jetzt an. Die Geldinstitute sind dabei, ein elektronisches Zahlungssystem in Läden und Kaufhäusern einzurichten, bei dem Euroscheckkarten und später Kreditkarten benutzt werden. Banken wie Sparkassen sind dann am Umsatz des Handels beteiligt.