Das Wort „Stellvertreterkriege“ hört man weder in Washington und Moskau noch in London, Paris und Peking gern. Man spricht dort lieber von Stammes-, Religions- oder Bürgerkriegen. Dies läßt die Beteiligung der Großmächte nicht so deutlich sichtbar werden. Aber die schon so lange andauernde bewaffnete Auseinandersetzung in Afghanistan macht die Berechtigung dieses Wortes wieder einmal für alle Welt deutlich.

In seinem Buch „Kriegsschauplatz Dritte Welt“ gibt der Hamburger Politologe Volker Matthies einen Überblick über das politische und militärische Geschehen der letzten vier Jahrzehnte auf diesem Gebiet und analysiert Ursachen und Folgen dieser Konflikte. Die Bilanz ist erschütternd: Während es im Bereich der Industrieländer keine größeren militärischen Auseinandersetzungen gab, erlebte die Dritte Welt in dieser Zeit über 150 Kriege, in die 60 Länder verwickelt waren und die mindestens 20 Millionen Tote gefordert haben.

Der Autor beschränkt sich nicht auf die Aufzählung der Konflikte von Algerien bis zum Sudan, vom Biafrakrieg bis zu Südvietnam und Afghanistan, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Ihm geht es vor allem um ihre Entstehung und ihre Hintergründe: Die machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen der Großmächte, der Kampf der Ideologien, die Marktrivalität, der Griff nach Rohstoffen, der Waffenhandel.

Dieses Buch sollten vor allem diejenigen lesen, die immer wieder über die militärische Verschwendungssucht und die Agressivität vieler Staaten der Dritten Welt Klage führen. Denn hier wird deutlich, wie sehr dieser „dritte Weltkrieg“, wie der Autor ihn nennt, von denen ausgelöst und angeheizt wird, die von ihm direkt kaum betroffen sind, die aber am stärksten von ihm profitieren. Peter Grubbe

  • Volker Matthies:

Kriegsschauplatz Dritte Welt

Verlag C. H. Beck, München 1988; 234 S., 19,80 DM