Von Ulrich Schiller

Washington, im März

Nichts spielt sich gemeinhin auf der Nordseite des Weißen Hauses ab, nichts von Bedeutung jedenfalls. Das änderte sich, als dort am 26. März 1979 der erste und bisher einzige Friedensvertrag zwischen Israel und einem arabischen Land unterzeichnet wurde. Anwar Sadat, Menachem Begin und Jimmy Carter legten ihre Hände ineinander. Ein kalter Wind fuhr zwar durch die noch kahlen Bäume, aber Frühlingsstimmung lag in der Luft. Geht nun von Washington eine neue Initiative für den Nahen Osten aus?

Seit der historischen Einigung von Camp David ist viel geschehen. Präsident Sadat wurde 1981 ermordet, Ministerpräsident Begin zog sich 1983 ins Schweigen zurück, und Präsident Carter verlor eineinhalb Jahre nach dem von ihm vermittelten israelisch-ägyptischen Friedensvertrag die Wahlen gegen Ronald Reagan. Der Vertrag allerdings hat seine Väter politisch überlebt. Er gilt bis zum heutigen Tage, trotz der israelischen Libanon-Invasion 1982, trotz des verunglückten Einsatzes amerikanischer Marineinfantristen in Beirut und trotz Präsident Reagans Widerwillen gegen ein persönliches Nahost-Engagement.

Kurioserweise war es Reagans Regierung, die buchstäblich in ihren allerletzten Amtstagen das einzig neue Element seit 1979 in die amerikanische Nahost-Diplomatie einbrachte: die Aufnahme des Dialogs mit der PLO. Inzwischen hat der amerikanische Botschafter in Tunis, Robert Pelletreau, dort, am Sitz der PLO, die ersten Verhandlungen geführt. Zu ihrem Verlauf äußerte sich Jassir Arafat letzte Woche geradezu begeistert. Das Außenministerium in Washington war zurückhaltender, schließt aber die nächste Gesprächsrunde schon im April nicht aus.

Die israelische Regierung hatte mehrfach versucht, die Regierung Bush zum Abbruch der Kontakte zu bewegen, doch diese Mühe war vergebens. Israels Außenminister Mosche Arens mußte während seines jüngsten Besuches in Washington sogar Belehrungen hinnehmen. Er wurde von seinem amerikanischen Kollegen James Baker darauf hingewiesen, ein direkter Draht zur PLO könnte auch für Israel eines Tages erwünscht und notwendig sein. Natürlich wolle man Israel einen solchen Schritt nicht aufzwingen, versicherte Baker vorige Woche dem außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses. Aber die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen abgegebenen Erklärungen des US-Außenministers machen zweierlei deutlich:

Erstens: Israel wird so bald wie möglich über die Zukunft des besetzten Jordan-Westufers und Gaza-Streifens sprechen müssen.