Im Salzburger Land ist Nepp in Skihütten und Pistenrestaurants an der Tagesordnung. Wird sich diese Praxis im Sommer fortsetzen?

Raubritter“ überschreibt das österreichische Fachmagazin FM-Fremdenverkehr einen Beitrag, der die Preisgestaltung der Wirte auf Skihütten und in den Restaurants moniert. Das Urteil betraf die Ergebnisse einer Testaktion, die im Auftrag der Salzburger Arbeiterkammer im Februar dieses Jahres von 50 Konsumentenschützern durchgeführt worden war. Die Tester stellten fest, daß mehr als die Hälfte der 207 besuchten Skihüttenwirte sich weder an bestehende Gesetze hielt, noch ein angemessenes Preisniveau für notwendig erachtete.

Viele Wirte legten überhaupt keine Preislisten auf. Sie hatten auch nicht jene zwei alkoholfreien Getränke im Angebot, die laut Gesetz billiger als Alkoholika angeboten werden müssen. Die größten Preissünder waren in den bekanntesten Skiorten des Salzburger Landes zu finden – in Zell am See, in Kaprun, Saalbach-Hinterglemm und im Gasteinertal.

So kostet beispielsweise ein Berner Würstl in einem unbekannten Skiort 25, in Badgastein jedoch 71 Schilling. In Saalbach wurden für den Jagatee 60 Schilling verlangt, an weniger bekannten Skihängen nur die Hälfte. Beim billigen Skiwasser schlugen die Alpen-Raubritter am unbarmherzigsten zu. In der Regel kostet der Limoverschnitt nicht mehr als zehn bis fünfzehn Schilling, es wurden von den Hüttenwirten aber bis zu 80 Schilling kassiert.

Für den Preiswucher gibt es Gründe. Manche Hütten- oder Restaurantbesitzer vermieten ihre Betriebe für eine Saison. Das bedeutet für die Pächter, schnell Gewinne zu machen, um in den Saisonmonaten das Auskommen für ein ganzes Jahr zu verdienen. Gottfried Huber, Direktor der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung in der Bundesrepublik, weiß um den Preiswucher in den Bergen. Seine Empfehlung: Vorsicht sei bei allen Restaurants geboten, die ihre Preislisten nicht vor dem Lokal aushängen.

Johann Meier von der Salzburger Konsumentenberatung glaubt nicht, daß generell auch auf den Sommerhütten mit überhöhten Preisen zu rechnen ist. Die nämlich würden nicht von Gastronomen, sondern von Bauern bewirtschaftet. Dennoch sei nicht auszuschließen, daß die beanstandeten Praktiken dort fortgeführt würden, wo im Sommer Kabinenbahnen oder Sessellifte laufen und die Restaurants an den Bergstationen oder in der Umgebung geöffnet sind. Betroffen wären da vor allem die großen Tiroler Skigebiete, die sich auch als Sommerferienziele einen Namen gemacht haben wie Zillertal, Ischgl und Arlberg.

Bleibt Touristen nur, sich an das Resümee von Gottfried Huber zu halten: „Wer für einen Jagatee 60 Schilling zahlt, dem ist nicht zu helfen.“ Veit Burgenlander