Hunderttausende von harten Deutschmarks rollen alljährlich in die Labors der Pharmazeuten – und was kommt raus? – Nichts, weit und breit nichts gegen Aids in Sicht! „Ein Mittel gegen Aids wird man nicht kaufen können“, dräute schon vor Jahren Meinrad Koch, der Chef des Nationalen Aids Zentrums in Berlin, das die Deutschmark zu vergeben hat und sich nicht retten kann vor gierigen Händen. Wie recht er hat, zeigt uns jenes Medikament, das abseits aller Förderungsfluten kreiert wurde im Kreise jener, die der Öffentlichkeit gemeinhin nur als Risikogruppe bekannt sind: Proemanzipan forte, ein Produkt der Schwulenberatung e.V. in Berlin.

Eine unscheinbare weißrote Schachtel, der Inhalt aber ein wahrer Knüller. Genauer gesagt: ein Knaller. Zehn Offensiv-Kapseln mit einer so simplen wie hochexplosiven Mischung aus:

Vitalitäts- und Kreativitätspotentiale, 0,25 mg; Spontanlösung, 0,25 mg; Amorextasin, 0,15 mg; Existentielle Abgrenzungssäure, 0,15 mg; Trockenextrakt aus Zoffblättern, 0,15 mg; Preßsaft aus Herba Narcissmus, 0,10 mg; Solidaritätsketten, 0,10 mg.

Das Zeug hilft, gegen alles, und wie. („Hierbei bewirkt die Kombination von Amorextasin, existentieller Abgrenzungssäure und Zoffblättern einen optimalen Ausgleich zwischen den wichtigen Gefühlsäußerungen von Liebe, Autonomie und Wut. Der Preßsaft aus Herba Narcissmus ist ein in der Naturheilkunde bewährtes Mittel gegen das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit. Zusammen mit den Solidaritätsketten verbessert er die individuelle Ausgangslage für persönliche Beziehungen und soziale Vernetzung.“)

Immunschwäche? Aidsphobie? Subakute Hoffnungslosigkeit, chronische Selbstverachtung? Alles kein Problem. Einfach so:

Die Mono-Offensiv-Kapsel bei innerseelischen Verspannungen – „zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrücken oder auf den Boden der Realität werfen.“

Die Stereo-Offensiv-Kapsel (Entladung von Beziehungsenergie) wird von den „jeweiligen Partnern“ an den zwei Strängen auseinandergezogen.