Tödliche Wahl

Die Präsidentschaftswahl in El Salvador forderte ihren Blutzoll; mindestens 43 Menschen starben zur Zeit des Urnenganges, darunter drei Journalisten. Und es mehren sich die Anzeichen, daß die Berichterstatter nicht versehentlich im Kugelhagel der Militärs starben. Tragisches Beispiel ist der Tod von Cornel Lagrow, eines holländischen Photoreporters, der am Wahlsonntag in dem Dörfchen San Fransisco Javier angeschossen wurde. Als Kollegen ihn im Presse-Jeep ins Krankenhaus bringen wollten, wurde der mit einer weißen Fahne gekennzeichnete Wagen von einem Armeehubschrauber verfolgt und mit Maschinengewehr-Salven unter Beschuß genommen. Lagrow starb. Der 30jährige war für Militärs und Todesschwadrone kein Unbekannter: Im vergangenen Jahr hatte Lagrow Interviews mit jener europäischen Delegation gefilmt, die den Tod des Schweizer Pfarrers Jörg Weis untersuchte und am Ende schlüssig belegte, daß Armee und Todesschwadrone für seinen „Tod im Maisfeld“ (siehe Zeit Nr. 3) verantwortlich waren. Das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V. in München, das diese Zusammenhänge recherchierte, läßt sich nicht abschrecken. Per Annonce verlangt es eine „Untersuchung der Ermordung“ durch eine unabhängige Kommission und die „gerichtliche Verfolgung der Verantwortlichen“.

Schonzeit für Wale

Während Helmut Kohl in Badgastein abspeckt und über einer Umbildung seines Kabinetts brütet, brachte sich sein neuseeländischer Amtskollege David Lange, auch er ein Mann von großer Leibesfülle, über die Ostertage auf den fernen Cook-Inseln in Form. Die neuseeländischen Reporter, in steter Sorge um das Wohl des Regierungschefs – im vergangenen Jahr plagte ihn das Herz; jüngst schlief er in seiner Wohnung ein, das Essen auf dem Herd fing Feuer und die Flammen lösten Polizeialarm aus –, wollten vor der Abreise nun von ihm wissen, ob Gesundheitsprobleme ihn zur Pause zwängen. „Nein“, schoß Lange zurück, „ich gehe Schnorcheln und werde an Sie denken, wenn ich meine Harpune benutze.“ Schmunzelnd fügte der Premier, um eine Pointe nie verlegen, hinzu: An seinem Ferienort gebe es „ein Walfang-Moratorium, und das ist mir geradezu auf den Leib geschnitten“.

Elend im Eiltempo

Den traurigen Rekord, das zur Zeit am schnellsten wachsende städtische Elendsgebiet in Mittelamerika zu sein, scheint wohl San Miguelito zu halten. Das Armenhaus in dem kleinen Staat am berühmten Kanal liegt nur etwa sechs Kilometer von der Hauptstadt Panama entfernt. Innerhalb weniger Jahre ist die Bevölkerung von 90 000 auf 250 000 Menschen gestiegen, und die Zuwanderung steigt weiter an. Weil die Regierung sich taub stellt, bietet San Miguelito den Soziologen Studienmaterial darüber, wie eine Slum-Stadt entsteht und zerfällt. Defekte Wasserleitungen – steigende Infektionen. Die Hälfte aller Kinder ist unterernährt. Die Arbeitsplätze in der näheren Umgebung gehen verloren; Häuser zerfallen, weil immer weniger repariert wird. Und noch ein Phänomen ist registriert: Die Geburtenhäufigkeit in San Miguelito nimmt zu.