Das Wettrennen mit den schweren Lastkraftwagen kann die Bahn nicht gewinnen

Von Jörg Buteweg

Auf dem Computerbildschirm der Speditionsdisponentin meldet sich ein Kunde aus Duisburg, der einen Container nach Mailand befordern lassen will. Die Disponentin informiert einen Fuhrunternehmer, der einen – selbstverständlich lärmarmen – Lastwagen mit Dieselrußfilter losschickt, um den Container abzuholen, und reserviert einen Platz auf einem der nächsten Huckepackzüge nach Norditalien. Sobald der Lastwagen am Güterbahnhof angekommen ist, wird der Container auf den Zug gehoben. Kurze Zeit später verläßt dieser den Bahnhof und kann nach einer zügigen Fahrt durch den ausgebauten Gotthardtunnel – wir schreiben das Jahr 2005 – keine 24 Stunden später in Mailand bereits wieder entladen werden.

Zukunftsmusik. So könnte im günstigsten aller Fälle eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Schiene und Straße aussehen. Die ist derzeit aber nicht in Sicht. Denn die Bahn ist zu teuer und zu langsam.

Genug zu transportieren gibt es schon. Wer auf bundesdeutschen Autobahnen lange Kolonnen von Lastwagen überholt, kann sich eine vage Vorstellung machen von den Mengen, die im Straßengüterfernverkehr bewegt werden. Seit 1960 hat sich der Straßengüterfernverkehr mehr als verdreifacht. Die Bundesbahn dagegen kam heute noch genauso viele Güter durch die Republik wie 1960. Gerade zwanzig Millionen Tonnen davon, nicht einmal zehn Prozent, werden im sogenannten kombinierten Verkehr von Straße und Schiene befördert.

Dabei drängt sich eine Zusammenarbeit eigentlich auf. Der große Vorzug des Lastwagens ist seine Flexibilität. Brummi fährt in jeden Winkel und schafft Waren noch ins entlegenste Dorf. Die Eisenbahn dagegen transportiert risikoarm und umweltschonend große Gütermengen über weite Strecken. Was liegt also näher, als die Vorteile beider Systeme so zusammenzuspannen: Lastwagen sammeln Güter; statt jedoch in langen Kolonnen nächtens über Land zu brausen, werden sie oder ihre Anhänger oder einfach Container gefüllt mit Waren, auf die Bahn geladen und in die gewünschte Gegend befördert. Im Zielgebiet dann fährt entweder der Lastwagen vom Eisenbahnwaggon herunter oder die Anhänger (Container) werden auf bereitstehende Lastwagen verfrachtet und die Waren dann an die Kunden in der Umgebung verteilt.

In der Praxis allerdings klemmt es gewaltig. Einhellig beklagen Spediteure und Verkehrsministerium, daß die Bahn einfach nicht schnell genug sei. Selbst bei der Bundesbahn mag niemand dieser Kritik widersprechen. Zu langsam ist die Bahn, weil ihre Bahnhöfe aus dem 19. Jahrhundert nicht für die Erfordernisse des.neuzeitlichen kombinierten Verkehrs eingerichtet sind. Die Güterbahnhöfe, in der Regel am Rand der alten Innenstädte gelegen, sind rundherum zugebaut worden. Das Be- und Entladen der Lastwagen mit Kränen braucht aber reichlich Platz. Weil der fehlt, muß herumrangiert werden, und das kostet Zeit.