Die Rettung der Umwelt: Wo die Politik versagt, müssen die Wähler ein Beispiel geben

Von Horst Bieber

Die Umweltkatastrophe ereignete sich mediengerecht und pünktlich zu den Feiertagen. Auf einer oft befahrenen Route lief am Karfreitag vor Alaska ein Tanker auf ein bekanntes, in den Seekarten verzeichnetes Riff. Obwohl auf derartige Unglücksfälle angeblich bestens vorbereitet, versagten die Hilfsorganisationen bei der Bekämpfung der Ölpest. Und in der schauerlichen Konsequenz dieser Drehbücher steht auch die Ursache schon fest: menschliches Versagen. Ein Schuldiger wird also gefunden und verurteilt werden. Der üblichen Debatte darüber, wie die Sicherheit der Öltransporte verbessert werden kann, folgt dann das Achselzucken und die Einsicht, daß der Mensch halt fehlsam sei, die Industriegesellschaft ihren Preis fordere.

Zu viele lokale Umweltkatastrophen sind schon nach diesem Muster „verarbeitet“ worden. Ihre Wiederholung auf den Fernsehschirmen hat Mal um Mal die Frist der ehrlichen Empörung verkürzt. Die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt, daß der Natur Schaden zugefügt wird: Sie nehmen es mehr rat- und hilflos denn zynisch als unabweisbar hin. Und mag auch der Todeskampf vom Öl eingeholter Vögel, weltweit in die Wohnzimmer gesendet, Erschrecken und Mitleid auslösen: Was soll der einzelne denn tun?

Die Umweltdebatte nicht nur in der Bundesrepublik wird von Mutlosigkeit und Resignation bestimmt. An der Notwendigkeit, die Natur zu schützen, besteht kein Zweifel mehr, aber den vollmundigen Absichtserklärungen der Politiker folgen nur wenige Taten. Selbst das oft richtige Argument, gesetzlich erzwungene Investitionen zur Schadensminderung brauchten ihre Zeit, überzeugt immer weniger. Zu deutlich ist das Menetekel an der Wand zu lesen, das „zu spät, zu halbherzig“. Was nutzt es, wenn in der Bundesrepublik mit Milliardenaufwand der Ausstoß von Schwefeldioxid reduziert wird, die ungebremste Zunahme der Autos aber die Emissionen der nicht weniger schädlichen Stickoxide dramatisch erhöht?

Griff zur Notbremse

Dabei können wir uns Resignation gar nicht leisten. Denn die großen Umweltprobleme stehen uns erst noch bevor. Im Monat März haben in Europa drei Konferenzen stattgefunden. Zwei – in London und Den Haag – befaßten sich mit der drohenden Zerstörung des Ozon-Schildes durch die vom Menschen erzeugten Gase. Die dritte Konferenz – in Basel – versuchte, den weltweiten Giftmüll-Export zu unterbinden. Auf den ersten Blick scheinen beide Themen nicht viel gemein zu haben, abgesehen von dem „Nachteil“, ihre Themen nicht fernsehgerecht darstellen zu können, und der Tatsache, daß die globalen Gefahren den Raster der nationalen Egoismen sprengen. Aber schon ein zweiter Blick offenbart, daß es in alledem um die unter Umständen tödlichen Folgen einer Produktion geht, die zwar ihre Vorteile auf Heller und Pfennig kalkuliert, doch die Folgekosten nicht ehrlich veranschlagt.