Zerbrochene Freundschaft: Elisabeth Reuter erzählt das Thema anders. Nicht als belanglos-nette Kleinmädchen-Story. Judith und Lisa trennen sich, denn Einschüchterung, Rechtsbruch, Gewalt und Feigheit im faschistischen Deutschland sind so übermächtig, daß sich Lisas Familie wie Hunderttausende anderer vor Hitlers Erfüllungsgehilfen duckt. Reuter erzählt in eindrucksstarken Bildern, die bewußt an Stilelemente der Neuen Sachlichkeit anknüpfen: reduzierte Figürlichkeit, absichtsvoll gesetzte Disproportionen.

Wie bei Innocentis „Rosa Weiss“ moniert die Kritik wiedermal Details: das unkorrekt geknotete Tuch, ein flaches Rund-s, eine nicht perfekt wiedergegebene Uniform. Belanglose Beckmessereien gegenüber der Hauptsache: nämlich ein Stück Geschichte zum Gegenstand der Diskussion und Information zu machen, das triste und dumpfe Kapitel mit dem Hakenkreuz.

Reuter schildert mit überzeugenden Mitteln das Bündnis zwischen Spießern und Verbrechen. Einzig falscher Ton: ein larmoyantes und kindertümelndes Nachwort von Antoinette Becker. U. B.

Elisabeth Reuter:

Judith und Lisa

Eilermann Verlag, München; 30 S., 22,– DM