Unna

Die Idee war einfach. Landwirtschaftlich ungenutzte Brachflächen den Bauern abkaufen, um sie dann als geschützte "Öko-Zellen" der Natur zurückzugeben.

So dachten es sich die Naturschützer im westfälischen Landkreis Unna aus. Sie kauften im vergangenen Jahr ein 2400 Quadratmeter großes Brachland in Unna-Mühlhausen auf und zahlten mit Hilfe von Privatspenden aus der eigenen Tasche. Doch obgleich die Stadt Unna dieser Handel keinen Pfennig kostete, kam aus dem Rathaus Kritik an dem Projekt. Der Stadtkämmerer beklagte, die Naturschützer verdürben die Preise. Hatte die Stadt beim Ankauf für eine saure Wiese früher nur drei Mark pro Quadratmeter gezahlt, so blätterten die Naturschützer jetzt für die gleiche Brachfläche sechs Mark auf den Tisch der Landwirte.

Die Schelte nutzte nichts, im Gegenteil: Die Naturschützer, zu denen Mitglieder des "Deutschen Bundes für Vogelschutz" und des "Vereins für Heimat und Natur" zählen, erfuhren nur größere Ermutigung aus der Bevölkerung. Die Spenden aus den kleinen Portemonnaies wurden immer ansehnlicher; sogar die Schüler des Unnaer Pestalozzi-Gymnasiums brachten 1200 Mark zusammen, mit denen sie ein Stück Öko-Zelle erwarben.

Am 21. Juni 1988 wurde die Stiftung "Öko-Zelle am Ahlbach" ins Leben gerufen. Das waren die ersten 2400 Quadratmeter, die die Unnaer Naturschützer erwarben. Mittlerweile sind auf einem ständig erweiterten Pachtland neue Öko-Zellen entstanden: 26 000 Quadratmeter für den Vogelschutz im Storksbach-Bruch, 11 000 Quadratmeter am Mühlbach und nun insgesamt 12 000 Quadratmeter am Ahlbach.

Initiator des Unnaer Naturschutz-Projekts ist der Maschinenbau-Ingenieur Karl-Heinz Albrecht. In Sachen Naturschutz stuft er sich selbst als "engagierten Verrückten" ein: "Unsere bedrohte Tier- und Pflanzenwelt benötigt zwei Dinge: Nahrung und Wohnung. Ganz einfach wäre dies zu verwirklichen, wenn wir bereit wären, ein wenig Lebensraum zur Verfügung zu stellen." Zusammen mit seinen Freunden aus der "Krötenschutz-Gruppe" hat Albrecht in diesem Frühjahr mehr als 4000 Frösche in Eimern über die Straße zu ihren Laichplätzen gebracht. "Wir tragen sie auch wieder zurück, selbst wenn die Autofahrer das als Verkehrsbehinderung betrachten sollten."

Mittlerweile sind mehr als 40 000 Mark in die Kasse der Umweltschützer geflossen. Neue Öko-Zellen sollen in diesem Jahr angekauft werden. "Vielleicht", sagte Karl-Heinz Albrecht, "ist unser Modell übertragbar..." Gerhard Seehase