Arno Lustiger, der als jüdischer Häftling Auschwitz überlebt hat und im Konzentrationslager seine erste Bekanntschaft mit Spanienkämpfern machte, möchte mit seiner Publikation vor allem der oft "vorgebrachten Anschuldigung, die Juden seien wie Schafe zur Schlachtbank gegangen", entgegentreten. Er beklagt zu Recht, daß in kaum einem grundlegenden Werk über die Geschichte des Bürgerkriegs in Spanien "die große Beteiligung der Juden gewürdigt" wird. Das gilt zum Beispiel auch für das amerikanische Standardwerk "The Abraham Lincoln Brigade" von Arthur H. Landis, der zwar alle amerikanischen Spanienkämpfer entsprechend ihrer polnischen, irischen oder angelsächsisch-protestantischen Abstammung sorgfältig registriert, aber jeglichen Verweis auf jüdische Herkunft vermeidet. Das ist um so unverständlicher angesichts der Tatsache, daß amerikanische Juden "sowohl individuell als auch kollektiv durch Menschen, Geld, Hilfsmittel und moralische Unterstützung der Republik in ihrer existentiellen Not" mehr halfen als andere ethnische oder nationale Gruppen der Amerikaner. Dreißig Prozent der knapp dreitausend amerikanischen Spanienkämpfer waren jüdischer Herkunft, bei einem Anteil von nur drei Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Als der Rabbinersohn Samuel Lebinger aus Columbus in der Schlacht von Belchite im September 1937 als Freiwilliger der IV. (Lincoln-) Brigade fiel, galt er in der jüdischen Presse als Beispiel eines jungen Juden, "dessen Gefühl für Gerechtigkeit ihm Jahrhunderte jüdischer Tradition vermittelt haben". Die Stellungnahmen in der jüdischen Presse waren überall von Anfang an eindeutig. Manfred George zum Beispiel, der später in New York den "Aufbau" gründete, schrieb im April 1937 in der Jüdischen Revue "In dem Kampf (...) kann es für das jüdische Volk nur eine Stellung geben: die neben dem spanischen Volk, das von denselben Mächten angegriffen wurde, die auch auf den Untergang des jüdischen Volkes sinnen."

Die offizielle Gründung einer jüdischen Einheit in Spanien erfolgte am 12. Dezember 1937. Benannt war sie nach Naftali Botwin, einem Märtyrer der jüdischen Arbeiterbewegung in Polen. Die meisten jüdischen Soldaten der neuen Kompanie hatten vorher in der polnischen XIII. Dombrowski-Brigade gekämpft. Mit "heiliger Entschlossenheit" (so der amerikanische Journalist J. Patt) eroberte die jüdische Einheit während der Ebro-Schlacht Corbera und belagerte Gandesa. In nur neun Monaten ihres Bestehens verlor die Kompanie fünf Kommandanten auf dem Schlachtfeld: Gutmann, Halbersberg, Sapir, Kamhi und Szlachta. Nicht umsonst wurde ihr der Ehrentitel "Sturmkompagnie Botwin" verliehen.

Die faschistische und speziell die nationalsozialistische Propaganda versäumte es nicht, in ihren Hetzpublikationen auf die Rolle der Juden im Spanischen Bürgerkrieg einzugehen. Man verbreitete ein Faksimile der’jiddischen Frontzeitung "Freiheits-Kemfer" als "abschreckendes Beispiel" und in dem 1937 erschienenen "Rotbuch über Spanien" war unter anderem zu lesen: "Sofort fällt die große Anzahl jüdischer Namen ins Auge. Diese Art illegaler krimineller Revolutionstätigkeit entspricht auch vollkommen dem, was wir am Juden kennengelernt haben."

Die spannendsten Abschnitte des Buches sind die, in denen der Autor Einzelschicksale darstellt. Dabei geht es nicht nur um große Namen wie Ilja Ehrenburg, Julius Deutsch, Ernst Toller, Carl Einstein, Abram Abramowitsch, Frantisek Kriegel oder Selig Joffe, sondern vor allem um die zahllosen Biographien mehr oder weniger unbekannter jüdischer Frauen und Männer. Wer kennt zum Beispiel heute noch den Namen Chaskel Honigstein, der als letzter Gefallener der Internationalen Brigaden am 8. Oktober 1938 in Barcelona ein republikanisches Staatsbegräbnis erhielt? Oder Dora Goldscheider-Lorska, die unmittelbar nach ihrer Promotion an der Prager Universität als Ärztin nach Spanien ging. Nach Francos Sieg schloß sie sich in Frankreich der Resistance an, wurde verhaftet, gefoltert und nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Dort rettete sie als Häftlingsärztin zahlreiche Mitkämpferinnen und konnte selbst überleben.

Und Henri Szulevics Weg führte von der Talmud-Schule über die sozialistisch-zionistische Jugendbewegung (Haschomer Hazair) zu den Schlachtfeldern Spaniens. Auch Pinchas Hefetz stammte aus einer streng orthodoxen jüdischen Familie. Er gehörte zu den rund dreihundert Spanien-Feiwilligen aus Palästina. Als er nach seiner schweren Verwundung keinen Palästina-Paß von der britischen Botschaft für die Rückreise erhielt, blieb ihm als einzige Hoffnung die Sowjetunion. Nach seiner Ankunft in Leningrad teilte er seiner alten Mutter in Jerusalem mit: "Ich kann meine Freude nicht beschreiben." Vier Jahre später heißt es in seiner hebräischen Botschaft aus einem "Spezialsanatorium": "Ich lebe im Feuer!"

Als man ihm 1948 nicht die Ausreise nach dem gerade gegründeten Staat Israel erlaubte, verübte er in Moskau Selbstmord, indem er sich vor die U-Bahn stürzte.

Pinchas Hefetz war kein Einzelschicksal. Viele Lebensspuren jüdischer Spanienkämpfer, die Arno Lustiger in seinem Buch nachzeichnet, enden im stalinistischen Gulag. Der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs fiel zeitlich mit den Moskauer Schauprozessen zusammen, in denen frühere kommunistische Parteiführer als "galizische Juden" verhöhnt wurden. Bis heute fehlen in den sowjetischen Darstellungen des Spanischen Bürgerkriegs die Namen der hohen jüdischen Offiziere, die unter Stalin ermordet wurden. So ist das vom Autor als Motto gewählte Zitat Luigi Longos in doppelter Hinsicht aktuell: "Wir jedoch, Kämpfer aller Brigaden und Nationen müssen die großartigen Beispiele des Opfermutes und Heldentums der jüdischen Kämpfer sammeln, um sie der Bewunderung der Welt darzubieten."