Von Ralph Geisenhanslüke

München

Nur in den seltensten Fällen gibt es vor Gericht etwas zu lachen. Dies ist auch in München nicht anders, obwohl sich vor dem dortigen Landgericht jetzt Anwälte zweier Verlage gegenüberstehen, die mit Humor handeln. Der eine, Les Editions Albert René mit Sitz in Piris, besitzt die Rechte an Asterix, einer der erfolgreichsten Comic-Figuren der Welt. Der anders, der Münchener Saga Verlag, brachte Mitte Februar die Asterix-Parodie "Falsches Spiel mit Alcolix" heraus. Eine einstweilige Verfügung soll nun den Vertrieb des Heftes stoppen, "wegen 6Uheberrechtsverletzung und Wettbewerbsverstoß’. Streitwert: 500 000 Mark.

Die dreißigseitige Parodie zeigt den amerikanischen Regisseur Steven Spielbein, der auf dem Gelände von "Comicitta" einen Film mit "action und special effects" drehen will. In seinem Drehbuch gelingt den Amerikanern, was Julius Cäsar dreißig Jahre vergeblich versuchte: die Eroberung eines nordfranzösischen Dorfes. Auch die GIs versuchen es zunächst mit Gewalt. Doch die Bewohner trinken einen Beaujolais Primeur, der sie unbesiegbar macht. Ein Lazarettarzt, dessen verwegene Züge entfernt an eine bekannte Maus erinnern, zeigt schließlich, daß die Eroberung mit fast food und Marketing effizienter ist. Aus dem Dorf wird ein Vergnügungspark.

Spielbeins Arbeit wird immer wieder durch den Schlendrian der französischen Darsteller behindert. Besondere Schwierigkeiten macht die männliche Hauptrolle: Der alternde Mime hängt lallend am Tresen und lamentiert darüber, daß er nie etwas anderes spielen darf als den properen Gallier, dem auch nicht das kleinste Laster gegönnt wird.

Zwischen den Kulissen taucht ein Urhebeirechtsanwalt auf, dem übel mitgespielt wird. Mal explodiert etwas in seiner Hand, mal springt ihm ein Marsupilami auf den Kopf. Überhaupt geben sich Dutzende von bekannten Comic-Figuren die Ehre: Charlie Brown, Garfield, Lucky Luke, Gaston und das HB-Männchen, aber auch Schauspieler wie Lee Marvin, Jack Lemmon oder Woody Allen.

Zwei Jahre hat der Berliner Zeichner Jens Jecdeloh, dessen Cartoons in Satire- und Stadtmagazinen erscheinen, an seinem ersten größeren Wurf gearbeitet. Auf eine weithin sichtbare Flugbahn wurde "Alcolix" durch den Saga Verlag gebrach:. "Dieser Verlag, ist ein Ein-Mann-Betrieb: Hans Gamber ehemaliger Playboy Redakeur und jetziger "Humorchef" der Bunten, hat sich mit der ihm eigenen Geschäftstüchtigkeit auf Zeitschriften-Parodien spezialisiert. Titel wie "Playbock", "Tunte", "Cosmopuritan" oder "Kicher" brachten ihn zwar bisher nicht auf den Olymp des Humors, aber auch nicht ins Armenhaus. Gamber wußte das brisante Vorhaben einer Asterix-Parcdie zu realisieren. Noch vor Erscheinen des Heftes hatte er für Publicity gesorgt. Außerdem reichte er bei Gerichten in fast allen deutschen Großstädten sogenannte "Schutzschriften" ein. Damit war gewährleistet, daß – falls eine einstweilige Verfügung gegen ihn beantragt werden sollte – auf jeden Fall eine mündliche Verhandlung stattfinden mußte. Ein erheblicher Zeitvorteil: Die erste Auflage von 200 000 Stück ist ausgeliefert und kann nicht mehr gestoppt werden.