Muß ein Sportverein das Kartellrecht respektieren? Keine Angst, es steht keine neue Großfusion an. Es geht vielmehr um die Frage, ob ein Club seine Zuschauer aussuchen darf oder ob eine Art Belieferungszwang besteht, wie ihn der Paragraph 26 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) vorschreibt. Jedenfalls hatte der Eishockeyclub SC Rosenheim für ein Spiel gegen die Düsseldorfer EG die Eintrittskarten (mit Ausnahme eines bescheidenen Kontingents von 400 Plätzen) für Zuschauer aus dem heimischen Oberbayern reserviert – also eine eindeutige Diskriminierung.

Der Düsseldorfer SPD-Abgeordnete Michael Müller geriet darüber so in Rage, daß er die Bundesregierung fragte, ob sie nicht die gesetzlichen Bestimmungen ändern wolle. Der Moment wäre recht günstig. Denn die fünfte Novellierung des GWB steht ohnehin an, der Bundestag wird sich damit noch vor der Sommerpause befassen.

Das ist ein Fall für Erich Riedl. Denn der Staatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium kennt als ehemaliger Präsident von 1860 München die Sorgen und Nöte seiner Sportsfreunde, ist zudem als großer Promoter der Fusion Daimler-Benz/MBB ein unbestrittener Spezialist für Fragen des Kartellrechts. Riedls Antwort: "Die Bundesregierung sieht keinen Anlaß, das GWB mit Blick auf derartige Fallgestaltungen zu ändern." Die Begründung öffnet allerdings völlig neue Perspektiven: "Ein Einschreiten der Kartellbehörden im Rahmen der Mißbrauchsaufsicht ... erscheint in derartigen Fällen prinzipiell möglich."

Das kann nur heißen: Wenn’s keine Eintrittskarten mehr gibt, kann eine schnelle Beschwerde bei der zuständigen Landeskartellbehörde Wunder wirken.

Zweitausend Jahre ist Bonn jetzt alt und seit vierzig Jahren Bundeshauptstadt. Ernst genommen wird ss dagegen immer noch nicht. Das zeigt der anhaltende Streit um die Neubaustrecke für den superschnellen ICE von Kölr nach Frankfurt, den die Bundesbahn rechtsrheinisch im Abstand von zehn Kilometern an Bonn vorbeiführen möchte.

Natürlich widersetzt sich Hans Daniels, Bonner Oberbürgermeister und CDU-Abgeordneter, diesem Plan: "Die Trasse kann nur über den linksrheinischen Bonner Hauptbahnhof führen, weil er der für die Hauptstadtregion am besten erreichbare Standpunkt ist." Die Bundesbahn rechnet dagegen vor, daß die (auch von der Mainzer Landesregierung geforderte) Trasse Bonn-Koblenz-Frankfurt Mehrkosten von zwei Milliarden Maik verursacht.

Die Planer Ton der Bahn haben unverhofft Verbündete bekommen: eine Bürgerinitiative "Keine Schnellbahn im Rheintal". Sie sähe die Schnellbahn am liebsten entlang der Autobahn A3 von Köln nach Frankfurt. Das Argument gegen die Nutzung des Rheintals und die Anbindung Bonns: "Hier handelt es sich auch um einen drohenden gigantischen Eingriff in den Lebensraum vieler Städte und Orte."