Von Reinhold Rombach

Der Spruch ist aus der Lebensmittelbranche entlehnt: "Geht Butter, geht Käse", sagen Börsianer, wenn zu Beginn einer Hausse alle Aktien mehr oder minder kräftig im Kurs steigen. Ob dieser Spruch immer berechtigt ist, spielt dann kaum eine Rolle. Jeder will von den steigenden Kursen profitieren. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei. Heute kann man nicht mehr wie vor acht Jahren irgendwelche Aktien kaufen und in aller Ruhe den Gewinnzuwachs abwarten.

Die Landschaft an den Wertpapiermärkten sieht mittlerweile völlig anders aus. Optimisten und Pessimisten stehen sich in etwa gleichstark gegenüber. Im Spannungsfeld zwischen brillanten Unternehmensdaten, glänzenden Konjunkturzahlen einerseits und Angst vor inflationsbedingten Zinsängsten andererseits ist es ungleich schwieriger geworden, die richtigen Aktien herauszufinden, die favorisierten Länder und Währungen zu erkennen und auch noch den besten Moment zum Einstieg zu finden. Wie schwierig die Situation selbst für Experten geworden ist, zeigt sich deutlich an den Anlageergebnissen der drei im ZEIT-Börsenspiel vertretenen Banken. Nahezu vierzig Prozent Gewinn für den Besten stehen gegen zwei Prozent Minus für den Letztplazierten – dazwischen liegen Welten.

Die Frankfurter Niederlassung der Bank in Liechtenstein (BIL) präsentiert sich auch weiterhin in einem strahlendem Licht. Aus dem Startkapital von 100 000 Mark zu Jahresbeginn sind mittlerweile 139 276 Mark geworden. Eine beachtliche Leistung, denn der Morgen-Stanley-Weltindex schaffte gleichzeitig gerade ein Viertel dieses Zuwachses. Bemerkenswert ist auch, daß sich Direktoriumsmitglied Hubert Günter bislang bei seinen Aktienengagements mehr im Ausland umsah und den heimischen Markt eher vernachlässigte. Jetzt aber, sagt er, sei es an der Zeit, mehr in deutsche Werte zu investieren – vor allem nach der kürzlich erfolgten Leitzinserhöhung durch die Deutsche Bundesbank. Denn die Aktion der Zentralbank wirke, so Hubert Günter, in hohem Maße vertrauensbildend und dürfte überzogenen Inflationsängsten entgegenwirken. Überdies zeigten die gelassenen Reaktionen auf den Märkten für festverzinsliche Wertpapiere, daß die Maßnahme der Währungshüter richtig verstanden worden sei.

Gerade die Tatsache, daß hierzulande die "Anlageprofis mit Sorgenfalten auf der Stirn" herumlaufen, ist nach Meinung des BIL-Mannes ein gutes Zeichen, da die Masse oft genug schiefliege. Die fundamentalen Fakten sprächen nämlich für eine freundliche Zukunft an Deutschlands Börsen. Die Konsequenz daraus: Hubert Günter verkaufte im vergangenen Monat zwei Auslandswerte, die japanische Haseko und den französischen Bauwert Dumez, und erwarb dafür Siemens-Optionsscheine von 1983 sowie Aktien des Essener Baukonzerns Hochtief.

Beim deutschen Elektronikkonzern Siemens stimuliert besonders eine Tatsache: Das Unternehmen ist dabei, sich neu auszurichten. Die Abhängigkeit vom Inlandsmarkt soll verringert und die Stellung im internationalen Geschäft durch Akquisitionen oder Gemeinschaftsunternehmen nachhaltig verbessert werden. Die voraussichtliche Übernahme der britischen Firma Plessey PLC dürfte sich positiv auf den Bereich Kommunikations- und Datentechnik auswirken. Hinzu kommt, daß die Aktie im europäischen Branchenvergleich unterbewertet ist.

Statt der Aktie den Siemens-Optionsschein von 1983 zu kaufen macht Sinn. Dessen Aufgeld liegt praktisch bei Null. Demnach kann man die Aktie am 31.05.1990 über den Schein genauso gunstig beziehen wie heute über den direkten Erwerb der Aktie, allerdings mit einem wesentlich geringeren Kapitaleinsatz von derzeit 287 Mark. Der Hebel beträgt 1,9. Konkret: Steigt die Notierung der Aktien um zehn Prozent, dann müßte der Schein um neunzehn Prozent zulegen.