Hamburg

Das ist unglaublich", schimpft Kerstin Hagemann, "das Gericht hat sämtliche Vorurteile bestätigt, die der Laie so hat, daß nämlich auch Juristen den Ärzten nichts tun." Was Kerstin Hagemann so empört, ist das Urteil gegen den früheren Cheforthopäden des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek, Rupprecht Bernbeck: 7000 Mark Strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen sprach das Landgericht Hamburg Anfang der Woche aus.

Daß der Professor überhaupt vor Gericht stand, hatte er einigen seiner früheren Patienten zu verdanken, die sich 1984 zusammentaten und an die Öffentlichkeit gingen. "Chefarzt operierte uns zu Krüppeln", klagten sie in der Morgenpost an, kurz danach meldeten sich mehr als 250 Leidensgenossen. Bald sprach man vom "größten Kunstfehler-Skandal der Nachkriegsgeschichte".

Zwar waren die meisten Vorwürfe strafrechtlich schon verjährt, doch zahlten Senat und Versicherungen bis heute knapp achtzehn Millionen Mark an Schadensersatz – die Summe kann sich noch leicht verdoppeln.

Auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß der Bürgerschaft beschäftigte sich mit dem Wirken des Chefarztes und den Vorgängen im Krankenhaus Barmbek. Eines der Ergebnisse: Um künftig ähnliche Vorkommnisse besser verhindern zu können, sollte eine "unabhängige Beratungsstelle für Patienten" eingerichtet werden.

Doch als es Ende 1987 daran ging, eine Beratungsstelle auch finanziell zu unterstützen, da "übersah" die Gesundheitsbehörde zunächst die bereits seit Jahren ehrenamtlich arbeitende "Patienten-Initiative" der "Bernbeck-Geschädigten". 140 000 Mark gingen an die Verbraucherzentrale, deren Aktivitäten sich in anderen Bereichen ja schon bewährt hätten. "Wir schienen der Behörde wohl zu unbequem", meint Kerstin Hagemann, aber schließlich gab es dann doch noch Geld: für zwei Jahre je 66 000 Mark – damit konnten vier ABM-Stellen eingerichtet werden.

Seit Anfang vergangenen Jahres hat die Patienten-Initiative in Hamburg-Winterhude eine Beratungs- und Beschwerdestelle geöffnet. Während die Verbraucherzentrale vor allem juristische Hilfestellungen gibt, sieht sich die Initiative bewußt als Gegenpol zur Macht der "Götter in Weiß": "Wir wollen Mißstände im Gesundheitsbereich aufdecken, Patienten über ihre Rechte aufklären und sie bei Verdacht eines Behandlungsfehlers unterstützen." Der Grundsatz dabei ist: "Die Patientenstelle will durch praktische Hilfe in Einzelfällen das ungleiche Verhältnis zwischen Arzt und Patient angreifen und die Position der Patienten gegenüber Ärzten und Krankenhäusern stärken."