Die Engländer haben es kommod. Während alle anderen Europäer sich anstrengen müssen, um zugunsten des Gemeinsamen Marktes ausländisch zu sprechen, und neuerdings sogar manche Franzosen ihr Herz in beide Hände nehmen und versuchen, in fremder Zunge zu reden, werden die Briten von jedem verstanden, solange sie nur laut genug sprechen. Das meinen sie, seit sie ihre erste Kolonie besetzten. Unser Verständnis versteht sich für sie von selber. Spricht nicht alle Welt mindestens Pidgin-English?

Für den Kontinent genügt das allemal, mag sich Margaret Thatcher gesagt haben, als sie ihr Veto gegen das Fremdsprachenprogramm "Lingua" ankündigte, das die Europäische Kommission vorgeschlagen hat. Mit ihrem viel gerühmten pragmatischen Sinn erkannte die Premierministerin schnell, daß es für Großbritannien herausgeworfenes Geld wäre. Denn wer hat schon etwas davon?

Dabei hatten die Eurokraten ausnahmsweise einmal das chronisch vernachlässigte "Europa der Bürger" im Auge. Die Erziehungsminister der zwölf Mitgliedstaaten waren hocherfreut, auch der Brite – nur nicht Maggie Thatcher, die in der Brüsseler Initiative einen Übergriff auf nationale Erziehungsrechte sieht.

Unser Verständnis ist ihr auch diesmal sicher. Haben wir den Sprachenunterricht denn nötig? Wenn Frau Thatcher ihre Schmähreden auf Europa hält, braucht auf dem Kontinent jedenfalls schon lange keiner mehr ein Wörterbuch. N. G.