Die Stahlindustrie möchte die empfangenen Subventionen am liebsten behalten

Von Heinz-Günter Kemmer

So bereitwillig die Stahlunternehmen von der Bundesrepublik und von den Stahlländern Subventionen in Höhe von 1,8 Milliarden Mark kassiert haben, so schwer tun sie sich jetzt – ausgenommen Thyssen Stahl –, dieses Geld zurückzuzahlen. Aber daran führt wohl kein Weg vorbei, denn die Verträge sehen vor, daß die sogenannten Strukturverbesserungshilfen dann wieder herausgerückt werden müssen, wenn die Unternehmen Gewinne erzielen.

Daß dies jetzt der Fall ist, läßt sich nicht übersehen. 1988 war für die Stahlunternehmen ein Glanzjahr in ihrer Geschichte, manche halten es vom finanziellen Ergebnis sogar für besser als das bisherige Rekordjahr 1974. Und alles deutet darauf hin, daß 1989 noch besser wird – vielleicht etwas weniger Produktion, auf jeden Fall aber mehr Gewinn. Für Günter Flohr vom Hoesch-Vorstand sieht es sogar so aus, "als würde bis weit in das Jahr 1990 hinein eine stabile Preispolitik anhalten".

Aber die gute Mengenkonjunktur, der hohe Gewinn des Jahres 1988 – das operative Ergebnis bei Hoesch Stahl beträgt rund 300 Millionen Mark – und die blendenden Zukunftsaussichten haben den Hoesch-Vorstandsvorsitzenden, Detlev Rohwedder, nicht davon abgehalten, im vergangenen November einen Bittbrief an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau zu schreiben. Der Inhalt: Rau möge doch bitte prüfen, ob den Stahlunternehmen die Rückzahlung der Subventionen nicht erlassen werden oder das Geld zumindest für Investitionen im Ruhrgebiet eingesetzt werden könne.

Rau beschied den Bittsteller abschlägig. Dazu Rohwedder am Montag in der Pressekonferenz seines Unternehmens: "Das ist natürlich bitter und für einen unbeteiligten Betrachter der Ruhrszene nur schwer zu verstehen, daß diese Mittel aus dieser geplagten Stadt Dortmund mit ihrer hohen Arbeitslosenquote herausfließen." Ruprecht Vondran, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, schlägt in die gleiche Kerbe: "Wäre es nicht sinnvoll", so fragt er, "diese Gelder wenigstens in den betroffenen Revieren zu belassen, beispielsweise um alte Industrieflächen aufzubereiten, einen Wagnisfonds für junge Unternehmen zu schaffen oder andere Starthilfen zu geben?"

Ein Präjudiz geschaffen