DIE ZEIT

Wenn Sieger ihren Sieg verspielen

Nur eines ist schlimmer als eine verlorene Schlacht: eine gewonnene. Diese bittere Sentenz des Herzogs von Wellington, geprägt nach dem Sieg über Napoleon bei Waterloo, muß jedem einfallen, der verzweiflungsvoll die Krise des Nato-Bündnisses mitansieht.

Zeitspiegel

Bald kommt George Bush zu Besuch. Wie willkommen der amerikanische Präsident in Berlin sein soll, darüber hat sich bereits (der rot-grüne Senat ein kurzes, schmerzhaftes Wortgefecht geliefert.

Wolfgang Ebert: Alles über die Gorbi

Frage: Was macht sie so brisant? Antwort: Ihre Explosivkraft. Ihre breite Streuwirkung und vor allem: ihre Unberechenbarkeit; mal schlagt sie in Brüssel ein, mal in Bonn – und immer aus heiterem Himmel.

Krise in Panama: Wer stürzt den starken Mann?

In Badeschlappen, Bermuda-Shorts und einem T-Shirt, eine Sporttasche unter dem Arm, wagt sich der übernächtigt wirkende Panamaer schüchtern auf den nordamerikanischen Wachposten zu.

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen: Schwacher Auftakt

Von Containment, der Politik der Eindämmung des Sowjetkommunismus, soll künftig keine Rede mehr sein, jetzt wollen die Vereinigten Staaten die "Integration der Sowjetunion in die Gemeinschaft der Völker" betreiben.

Labour Party: Macht und Markt

Einige Strategen im konservativen Lager beschlich in diesen Tagen das Gefühl, den Anfang vom Ende einer goldenen Ära zu erleben.

Weltbühne: Die Last der Demokratie

Die erste Phase des polnischen Wahlkampfs ist vorbei, die Kandidaten sind nominiert. Wer jedoch geglaubt hatte, Partei und Opposition würden jeweils geschlossen ins Feld ziehen, muß sich eines Besseren belehren lassen: Die Basis hat sich gerührt und fast jede Reglementierung von oben durchbrochen.

Ungarn: Staudamm gestoppt

Das 1977 zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei vereinbarte Regulierungsprojekt sollte die Donau auf einer Strecke von gut hundert Kilometern verbauen: mit einem Seitenkanal, mit zwei Staubecken und zwei Kraftwerken – Gabcikovo auf slowakischer und Nagymaros auf ungarischer Seite.

Antörnen statt aussteigen

Den Tod des ersten Suchtopfers datiert die offizielle Pathographie des Kokainmißbrauchs auf das Jahr 1891. Auch den Namen hat sie festgehalten: Fleischl von Marxow.

Eher sehr frustrierend

Auf St. Pauli hatte eigentlich alles auf einen normalen, ruhigen Abend hingedeutet. An der Hafenstraße hielten Bewohner einige Häuser besetzt; in der Nachbarschaft, nur einen Steinwurf weit entfernt, in einem Etablissement namens "Club Amphore", versuchten Damen am Tresen und in diversen Nischen die anwesende Kundschaft zu elektrisieren.

Nazi-Lieder in Israel: Mißtöne angestimmt

Um das politische Gleichnis ist der Priester nicht verlegen: Jemand scheint, wie bei der Jenninger-Rede, die Anführungszeichen mißachtet zu haben", schreibt Martin Steim in seiner Rechtfertigung an das bischöfliche Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Gänse-Plage: Die Vögel

Ein Geschöpf, das sich durch "Anmut, Geselligkeit und Friedfertigkeit" auszeichnet, heißt es in "Brehms Tierleben", allerdings: "Beim Aufstehen größerer Scharen vernimmt man ein Gepolter, das fernem Donner gleicht, bei geradem Fluge in höheren Luftschichten ein deutlich hörbares Sausen.

Streit um den Spurbus: Gegen das dritte System

Schöne alte Bürgerhäuser mit verzierten Erkern und Giebeln stehen in der Mannheimer Max-Joseph-Straße, mächtige Platanen haben die Allee in eine schattige Gartenlaube verwandelt.

Kresolverseuchte Erde: Ängste sind schwer zu entsorgen

Der Empfang für den schleswig-holsteinischen Umweltminister Berndt Heydemann war sichtbar schroff. Schon am Ortseingang von Sierksrade erwarteten zwei Steppkes den Minister mit einem Transparent: "Bringt das Gift nicht zu uns!" Das Gift heißt Kresol, wird stark verdünnt als Desinfektionsmittel benutzt und liegt derzeit noch mit Sand vermischt an der Autobahn Lübeck-Hamburg.

Unsinn mit Methode

Der amerikanische Dollar erlebt einen unerwarteten Höhenflug, der mit ökonomischen Argumenten nicht zu erklären ist

Notfall Krankenhaus

Schwester Monika hat es eilig. Mit knappen Worten fertigt sie einen Pharma-Vertreter ab, der vor ihrer Tür wartet und ihr bunte Prospekte unter die Nase hält.

MANAGER UND MÄRKTE

Nach den nun schon seit einem Jahr kursierenden Gerüchten war es nur noch eine Frage der Zeit, wann der niederländische Konzern N.

Heinz Blüthmann:: Mehr zahlen fürs Fahren

Die neue Langsamkeit ist grotesk: Autos haben immer mehr Pferdestärken unter der Haube, Breitreifen wie an Rennvehikeln und Tachometer, die bis zu Geschwindigkeiten von 250 Kilometer pro Stunde und mehr reichen.

Japan: Provinz im Goldrausch

Wir waren immer eine unscheinbare Gemeinde im Schatten", erinnert sich der Bürgermeister von Tsuna, Masakazu Otsuki. Seit März hat sich das geändert.

Die Faxen mit dem Faxen

Als Harald Rebling vor einigen Monaten im hessischen Langen ein kleines Übersetzungsbüro eröffnete, wollte er sich gleich ein modernes, dynamisches Image zulegen: Er verschickte seine Werbebriefe per Telefax.

Wall Street: Gierig bis zum letzten

Die New York Times spricht vom Watergate der New Yorker Wall Street, und die Washington Post bezeichnet den Prozeß gegen Michael Milken als Meilenstein in der Geschichte der amerikanischen Rechtsprechung.

Alles im Griff

ZEIT: Herr Brockmeier, die Ölkonzerne wollen ihre Tankstellen direkt an den Computer in der Zentrale anschließen; sie können die Preistafeln dann fernsteuern, Tankstellenpächter müssen nicht mehr auf die Leiter klettern.

LÄNDER IM VERGLEICH

Frankreich und Belgien setzen voll auf Atomstrom. In diesen beiden Ländern tragen Kernkraftwerke mit 70 beziehungsweise 66 Prozent zur Elektrizitätsversorgung bei.

ZEITRAFFER

Für 1990 rechnet die OECD mit einem Wirtschaftswachstum von 2,75 Prozent in Westeuropa und korrigierte damit ihre frühere Prognose von 2,5 Prozent nach oben.

Wenn in Moskau die Steine tanzen

Dies ist ohne Zweifel das wichtigste Buch über die Umgestaltung der Sowjetunion, das nach Michail Gorbatschows "Perestrojka" (1987) in der Bundesrepublik erscheint.

Wirtschaftsbuch: Die Gnade des Glaubens

Geburtstagsgratulation und Buchbesprechung zusammenzubringen ist keine einfache Aufgabe, besonders dann, wenn man im Grundsatz nicht übereinstimmt.

Sponsoring: Was lacostet die Politik?

Erst verschwand die Europa-Abgeordnete im Ratskeller, dann fehlte der Herr von der größten örtlichen Zeitung, und schließlich kam der Kaffee nicht – "Presserunde" beim CDU-Europawahlkampf in der Großstadt Köln.

Das Zarenmanifest

Aus dem Zarenmanifest vom 24. August 1898, verkündet von Außenminister Graf Murawjew: "... Im Namen des Friedens haben große Staaten mächtige Bündnisse miteinander geschlossen.

BUCH IM GESPRÄCH: Modell Salzburg

Am Ende dieser "Berichte an den Souverän", die zu lesen ein mitunter grimmiges, aber ganz gewiß ein Vergnügen ist, wünscht man sie sich in hunderttausend Hände, leidenschaftlich diskutiert in den Zeitungen, im Radio, von Schülern und Studenten, kurzum von engagierten Bürgern, denen doch letztlich das außergewöhnliche, in Europa bestaunte Engagement des Autors gegolten hat: des ehemaligen Salzburger Stadt(bau)rates Johannes Voggenhuber.

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