Von Karl-Heinz Büschemann

Vom mittelalterlichen Marktplatz der „Großen Kreisstadt“ Deggendorf – an der Donau in Niederbayern gelegen – sind es gute fünf Kilometer auf der durch grünes Hügelland in Richtung Böhmen fuhrenden Bundesstraße 11, bis rechter Hand ein kleines Straßchen abzweigt. Von hier führen die Wanderwege Nr. 3 und 5 hinter dem kleinen Bächlein direkt über die Höhen des Bayerischen Waldes nach Ulrichsberg.

Über diesen Südosthang im Graflinger Tal möchte der Großstadtmensch am liebsten sofort loswandern, über den Bach, hinauf zu dem stillen Weiher und dem alten Bauernhof, und dann einfach in der Landschaft verschwinden. Eigenartig ist nur, daß der Eigentümer des Geländes – es ist der Münchner Architekt und Bauunternehmer Hanns Maier – eine Beschreibung für dieses „Pausinger Hof“ genannte Naturareal geliefert hat, die mit dem Augenschein an Ort und Stelle nicht so recht zusammenpassen will und eher eine gestrüppbewachsene Steppe hätte erwarten lassen. Für den Münchner Baulöwen, der sich sogar Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg nennen darf, ist der Pausinger Hof einfach „reines Ackerland“.

Doch daß Maier diesen von Hohlwegen und Gräben durchzogenen Berghang, der eher an ein Idyll erinnert als einen x-beliebigen Bauplatz, so heruntermacht, hat verschiedene Gründe. Zum einen hat ihn das vor vielen Jahren erworbenen Gelände von etwa dreißig Hektar nicht besonders viel gekostet, rund 270 000 Mark, also nicht einmal eine Mark pro Quadratmeter. Zum anderen aber wurde Maier, der mit Dutzenden von Firmen in der Bundesrepublik, aber auch in der Schweiz Immobilien baut, in dieser Superlage, die als Bauland rund 25 Millionen Mark wert sein dürfte, möglichst ohne öffentliches Aufsehen viele Häuser und Wohnungen aus dem Boden wachsen lassen. Doch die Sache hat einen Haken, denn eigentlich darf an dieser Stelle nicht gebaut werden: Das Gelände des Pausinger Hofs liegt seit 1986 zum Leidwesen Maiers ausgerechnet im Naturpark Bayerischer Wald, wenn auch nur am Rande.

Geht es also streng nach Gesetz und Naturparkverordnung, dann kann Hanns Maier seine Baupläne an diesem Ort vergessen. Doch genau das tut der Konsul nicht. Er nimmt einfach an, daß er den Pausinger Hof vollbauen darf, und er hat mächtige Verbündete, zumal er über langjährige und bewährte Verbindungen in der bayerischen Politik verfugt. Der 66jährige Ehrenkonsul, Trager des bayerischen Verdienstordens und Inhaber des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, ist im Freistaat nicht irgendwer, und deswegen betont er auch mit Nachdruck, ein seriöser Geschäftsmann zu sein. „Ich bin kein Grundstücksspekulant, sondern ein Bauunternehmer und ein Wohnungsbauunternehmer“, sagt Maier über sich in aller Bescheidenheit, denn ihm gehören nicht nur zahlreiche Baufirmen, sondern auch noch ein Sand- und Kieswerk sowie eine Mineralöl-Handelsgesellschaft nebst Tankstellen. Doch gelegentlich gaben seine Immobiliengeschäfte auch schon den Gerichten oder dem Bayerischen Landtag Arbeit.

Der mit der regierenden CSU äußerst intime Maier erregte zum Beispiel in den sechziger Jahren erhebliches Aufsehen, weil er 1959 vom Freistaat Bayern das 7,7 Hektar große Areal der ehemaligen Festungsanlage „Fort Haslang“ bei Ingolstadt für nur 39 Pfennig je Quadratmeter kaufte und dieses Gelände dann auch noch von der Bundeswehr gratis planieren ließ (Maier: „Die Pioniere waren froh, ein Übungsgelände zu erhalten“). Ein Untersuchungsausschuß im Bayerischen Landtag stellte später fest, der Preis für dieses Grundstück, das Maier später bebaute, sei „viel zu niedrig“ gewesen. Daß er nun auch mit dem Pausinger Hof zum Zuge kommt und sich über die Verhundertfachung des Quadratmeterpreises seit dem Kauf in den sechziger Jahren freuen kann, dessen ist sich Maier sicher.

Allerdings hat er keine Lust, sich von der ZEIT zu diesem Fall befragen zu lassen („Ich erwarte keine faire Berichterstattung“). Er schweigt und verläßt sich auf seine Freunde.