Von Bernhard Wördehoff

Irgendwie liegt es uns näher, an das zu erinnern, was vor vierzig Jahren gegründet wurde, als daran, was vor einem halben Jahrhundert ausgebrochen ist. Und so feiern wir hinreichend unsere Republik und uns selbst. Und jenen unter uns, die sich um uns alle verdient gemacht haben, ist ein zu diesem Zweck vor 38 Jahren gestifteter Orden fast sicher, das Bundesverdienstkreuz, das genau genommen "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland" heißt.

Um diesen Orden gab es in den frühen Fünfzigern, man mag es kaum glauben, sogar eine verfassungsrechtliche Diskussion. Heute ist er durchaus begehrt, verursacht aber auch manchen Ärger, wenn ihn der Falsche erhält. Orden sind ja, wie Arthur Schopenhauer erkannte, "abgesehen von dem vielen Geld, welches sie als Substitut pekuniärer Belange vom Staat ersparen, eine ganz zweckmäßige Einrichtung, vorausgesetzt, daß ihre Verteilung mit Einsicht und Gerechtigkeit geschehe".

Ob Orden heute noch Geld ersetzen können, sei dahingestellt; aber sie kosten auch nicht viel – ganze 330 000 Mark jährlich. Nur mit der Einsicht und Gerechtigkeit bei der Verteilung hapert es manchmal...

Spielerisch müssen wir bedenken, daß Theodor Heuss, als er 1951 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland stiftete, auch die in zwei Balduin-Bählamm-Zeilen eingeschnurrte Lebenserfahrung des weisen Wilhelm Busch bedachte und als erster Präsident der Öde des jungen und noch ungesicherten Staatswesens zumindest in den Knopflöchern seiner Aufbaugeneration mit dem bunten Ordensband abzuhelfen trachtete. Heuss erinnerte sich aus der Republik von Weimar, daß Knopflöcher um das Gedeihen des Staates willen nicht öd und leer bleiben oder gar auf die Ausschmückung mit den Zeichen überwundener Herrschaft angewiesen sein dürfen.

Die Weimarer Verfassung gab sich, was die sichtbare Ehrung ihrer Bürger anging, streng republikanisch. Der zweite Hauptteil "Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen" befand strikt: "Orden und Ehrenzeichen dürfen vom Staat nicht verliehen werden" und: "Kein Deutscher darf von einer ausländischen Regierung Titel und Orden annehmen." Theodor Heuss hat das "staatlich und psychologisch für einen Fehler gehalten". Aber obgleich die Bundesrepublik in vielerlei Hinsicht als Gegenentwurf zum Staat von Weimar mit seinen Fehlern gegründet worden war, erwies sich beim Gedanken der Ordensstiftung dessen politische Tragweite als ungleich schwieriger denn die rechtliche Frage, der im Grundgesetz Freiraum gelassen worden war.

Heuss hat seine Überlegungen und seinen Entschluß daher politisch-moralisch begründet: "Das Vertrauen darauf, daß die Menschen eine Genugtuung allein in dem Bewußtsein finden, ihr Bestes für das Gemeinwesen geleistet zu haben, hat schon oft zu großer Enttäuschung geführt. Sich die Möglichkeit zu schaffen, außergewöhnliche Leistungen für den Aufbau, die Festigung und den Fortschritt eines staatlichen Gemeinwesens durch eine Ordensauszeichnung anerkennen zu können, ist ein einfaches Gebot der Staatsräson. Staatliche Orden und Ehrenzeichen können dazu beitragen, ein integrierendes Band zwischen dem Staat und seinen Bürgern zu knüpfen, sie können somit die Staatsmoral fördern."