Mit massivem Druck will die Abrechnungsfirma Techem ein elektronisches Gerät durchsetzen

Von Jürgen Gaulke

Wolfgang Franke denkt zur Abwechslung gerne einmal um die Ecke. Bis in die Kreuzworträtselspalten verfolgte ihn vor drei Jahren der Dauerärger um falsche Heizkostenabrechnungen. Ein Begriff wurde gesucht: "Im Zeichen der Heizkostenverteiler wünscht sich jeder wieder diese." Gemeint war: "Der eigene Ofen", lacht Franke noch heute. "Da zahlt jeder nur, was er tatsächlich verbraucht", spottet der Mann für Sonderaufgaben beim Marktführer für Heizkostenabrechnungsysteme, der Techem GmbH in Frankfurt, über eine solch absonderliche Idee.

Seit einem Jahr bietet Frankes Unternehmen den "technologischen Durchbruch" (Werbebroschüre) für die Heizkostenabrechnung an: statt der üblichen Verdunster einen elektronischen Heizkostenverteiler namens EHKV 90, entwickelt von Texas Instruments. Werbetext: "Kein anderer kann, was der Mikrocomputer im EHKV 90 kann." Die Fehlermarge liege nur noch bei zwei bis drei Prozent. Auch das Ablesen sei kein Problem mehr, schwärmt Franke: Man könne einen Stichtag für den Verbrauch programmieren, der Computer speichere die Zahl, und der Mieter könne das einfach nachprüfen. Das allerdings hat seinen Preis: 59 Mark kostet der EHKV 90 inklusive Montage. Herkömmliche Verdunster liegen bei zehn bis sechzehn Mark.

Außer Franke freut sich daher zur Zeit niemand so recht über den "genialen Mikrocomputer als Kommandozentrale" – weder Wohnungseigentümer noch Mieter. Zu ihrem Ärger trägt vor allem bei, daß Techem derzeit mit allen Mitteln versucht, sein teures Gerät auf dem Markt durchzudrücken – per Panikmache und sogar über das Deutsche Institut für Normung (DIN).

Ein Riesengeschäft

Techem-Bezirksvertretungen warnen Vermieter und Hausverwalter in vorgefertigten Anschreiben aus dem Textcomputer vor "folgenschweren Problemen", falls sie alte Heizkostenverteiler in den Wohnungen haben. Diese Geräte entsprächen meist nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen, heißt es da, es würde zu "Meßfehlern bis zu 30 Prozent" kommen. "Das heißt für Sie, daß jeder Mieter die Heizkostenabrechnung anfechten kann und bei jeder prozessualen Auseinandersetzung recht bekäme." Und, man will ja nur das Beste: "Wir fühlen uns als Ihr Vertragspartner dazu verpflichtet, Sie auf die volle Tragweite der Situation aufmerksam zu machen."