Als der argentinische Staatschef General Perön kürzlich auf dem Kongreß der Vereinigung argentinischer Farmer von höheren Landmaschinenimporten, Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Landarbeiter, besonderen zinslosen Darlehen und Maßnahmen zur Senkung der landwirtschaftlichen Kosten und Preise sprach, kündigte er mit diesem Programm zugleich einen überraschenden Kurswechsel seiner eigenen internen Wirtschaftspolitik an.

Bis jetzt galten die Anstrengungen des Fünf-Jahres-Planes, 1947–1951, vor allem der Industrie des Landes, die besonders gefördert wurde bei gleichzeitiger Vernachlässigung der „schwergewichtigeren“ Landwirtschaft, deren Interessen stark ins Hintertreffen gerieten. Die erste Folge dieser einseitigen Politik war ein immer stärker werdendes Abwandern landwirtschaftlicher Arbeitskräfte in die Stadt, wo mehr verdient und besser gelebt werden konnte. Der Arbeitermangel, der sich so allmählich und immer fühlbarer auf dem Lande herausbildete, aber zwang die Landwirtschaft zu Lohnzugeständnissen, die zusammen mit steigenden Kosten für Maschinenanschaffungen usw. über die Kräfte der Farmer gingen, zumal die Preisschere auch von der Erlösseite her nicht geschlossen wurde, wo der Staat den Ankauf landwirtschaftlicher Produkte in eigener Hand monopolisiert hatte und die Farmer an dem Gewinn aus niedrigen Ankaufspreisen und hohen Verkaufspreisen nicht beteiligte.

So mußte es fast zwangsläufig zu weitgehenden Einschränkungen der landwirtschaftlichen Erzeugung kommen, die in wenigen Jahren stellenweise um 30 v. H. bis 40 v. H. zurückging. Während z. B. für den Weizenexport in normalen Jahren 3 Mill. t zur Verfügung standen, rechnet man 1948/49 nur mit einer Ausfuhr von 1,7 Mill. t, da der Inlandsverbrauch etwa 3 Mill. t beträgt und die Gesamternte nur auf 4,7 Mill. t geschätzt wird. Dieser Export aber ist eine der wichtigsten Devisenquellen, von deren Ergiebigkeit entscheidend abhängt, ob dringend notwendige Rohstoffe und Maschinen gekauft werden können.

Bereits im vorigen Jahre hatten Knappheit und Preisüberteuerungen bei landwirtschaftlichen Produkten schwerwiegende Störungen der Handelsbilanz ergeben, die die gold- und devisenschwach gewordene Regierung vorübergehend zu drastischen Importeinschränkungen zwangen. Ziel der neuen Maßnahmen der Regierung Perón ist die Wiederherstellung eines natürlichen Gleichgewichts zwischen industriellem und agrarischem Bereich, durch stärkere Förderung der landwirtschaftlichen Arbeit und Produktion, um damit dem Wirtschaftszweig des Landes wieder mehr Gewicht zu geben, der immer noch die Hauptgrundlage des Nationaleinkommens ist.

Die verstärkte Einfuhr landwirtschaftlicher Maschinen soll vor allem einen höheren Wirkungsgrad der menschlichen Arbeitsleistung ermöglichen, deren Lohn man aus sozialen Erwägungen heraus nicht senken möchte. Wie stiefmütterlich diese Einfuhr bisher behandelt wurde, geht daraus hervor, daß von einem Gesamtimport in Höhe von über 10 Mrd. Pesos in den Jahren 1945 bis 1948 nur ganze 77 Mill. Pesos auf die Einfuhr von Mähmaschinen, Dreschmaschinen, Traktoren und entsprechende Ersatzteile entfielen. -n.

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