Von Gunhild Freese

Wolfgang Momberger ist ein sportlicher Mann. In seiner freien Zeit liebt er es, aufs Rennrad zu steigen, Ski zu fahren oder mit Oldtimer-Rennautos über die Pisten zu jagen. Im Augenblick ist er gerade dabei, sein Unternehmen auf „Olympianorm“ zu trimmen. Momberger ist Vorstandsmitglied des renommierten Frankfurter Hotelkonzerns Steigenberger. Die Nobelherbergen, dazu zählen das Stuttgarter Hotel „Graf Zeppelin“ ebenso wie der „Frankfurter Hof“ und das Düsseldorfer „Parkhotel“, machen derzeit mit insgesamt gut 5200 Zimmern einen Umsatz von 499 Millionen Mark. Im Jahr 2000 möchte Momberger, der in der Familien-Aktiengesellschaft für Unternehmensplanung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, über 20 000 Betten residieren – eine wahrhaft olympische Herausforderung.

Doch nicht mit Nobelhotels der Fünf-Sterne-Kategorie will der Sportsmann den Konzern auf Wachstumskurs bringen und in der Rangliste der weltgrößten Hotelketten von Platz hundert ganz nach vorn hieven. Momberger setzt auf populäre Beherbergungsarten – vom Ein-Stern-Haus bis zum Vier-Sterne-Hotel. Schon vor einem Jahr hatte der Manager die Zielrichtung definiert: „Wir wollen und können die Position, die wir uns in Deutschland erarbeitet haben, auf die europäische Dimension übertragen.“

Ein wichtiger Stein für Mombergers ehrgeizige Baupläne ist der Ferienclub Robinson, der in 7650 Betten alljährlich 140 000 Urlauber beherbergt und damit 150 Millionen Mark Umsatz macht – der größte Club-Organisator der Republik. Schon jetzt gehört das begehrte Objekt, das fünfzehn Ferienanlagen meist rund ums Mittelmeer betreibt, zu fünfzig Prozent zu Steigenberger, doch Momberger will auch noch den Rest.

Der aber ist in den Händen eines anderen Giganten der Dienstleistungsbranche: der Touristik Union International (TUI) in Hannover. Die TUI, die im Jahr an die drei Millionen Urlauber bedient, verfügt über eine stattliche Zahl von Feriendienstleistern: Mit Reiseveranstaltern im Inland und im umliegenden Ausland sowie etlichen Beteiligungen bei Agenturen und Hotels bringt es die TUI auf einen Jahresumsatz von 3,3 Milliarden Mark und ist mit Abstand Deutschlands größter Reisekonzern. Von Robinson möchten sich die Hannoveraner Ferienplaner keinesfalls trennen, auch wenn das Clubunternehmen mit seinem 150-Millionen-Umsatz für die TUI eher klein, für Steigenberger hingegen ein dicker Brocken ist. Club-Urlaub, das wissen die Reisemanager ebensogut wie die Hoteliers aus Frankfurt, ist ein kräftig expandierendes Geschäft. Nicht nur, weil immer mehr Bundesbürger immer öfter auf eine aktive Gestaltung ihrer Ferien setzen, sie sind auch bereit, dafür tiefer in die Tasche zu langen.

Vor aller Öffentlichkeit wird deshalb gerade ein spannender Wettstreit um das schöne Konzernkind ausgetragen – eine „sportliche Auseinandersetzung“, wie Wolfgang Momberger findet. Die TUI freilich entdeckt beim Gegner auch schon mal den Einsatz unfairer Mittel. Und wie fit die Tochter nun ist, um überhaupt die „Olympianorm“ zu erreichen, darüber sind die beiden Gesellschaften höchst unterschiedlicher Meinung.

Glaubt man den Argumenten Mombergers, dann läuft das Unternehmen Robinson derzeit gerade seiner Höchstform hinterher. Die Clubs, vor beinahe zwanzig Jahren gemeinsam von TUI und Steigenberger gegründet, hätten längst ihren einstigen Innovationsvorsprung verloren. Die Hauptverwaltung mit 75 Mann sei für die jetzt 15 Clubs viel zu aufwendig. Und eine klar definierte Expansionspolitik – zumal im Hinblick auf den heftigeren Wettbewerb am gemeinsamen europäischen Markt – sei vom Robinson-Management, das in Frankfurt residiert, bisher vergeblich angefordert worden. Ihm, Momberger, schweben da alsbald dreißig bis fünfzig neue Clubs vor. Die aber könnten dann nicht mehr nur mit deutschen Gästen gefüllt werden, da müßte man europaweit um Urlauber werben. Die TUI sei wohl nur an Österreich und Holland interessiert.