Von Wolfgang Zank

Die Fensterscheiben der Bäckerei klirrten, Brote wurden auf die Straße geworfen. Vor der gestürmten Bäckerei versammelte sich eine immer größere Menschenmenge, die sich schließlich mit dem immer wiederkehrenden Ruf "Brot, Brot!" in Bewegung setzte. Es kam zu zahlreichen weiteren Plünderungen und Ausschreitungen. Die Menge errichtete Barrikaden. Erst nachdem Soldaten, mit blanken Säbeln bewaffnet, in die Menge hineinritten, wurde die Ordnung wiederhergestellt.

Ähnliche Unruhen wie diese in der Pariser Vorstadt Saint-Antoine brachen im Frühjahr 1789 in zahlreichen französischen Städten aus. Auch auf dem Land gärte es schon seit langem. Die ersten Schlösser gingen in Flammen auf. "Die Abneigung der Landleute gegen ihre Grundherren ist überall extrem", schrieb am 7. Juni der Seigneur von Tahure in der Champagne. "Auf verschiedenen Ländereien in der Umgebung weigert man sich, den Kirchenzehnten zu zahlen", hieß es in einem Schreiben vom Juli aus Lyon. In Limoux verwüsteten Bauern Anfang Mai das Büro des königlichen Steuereintreibers, und einen Monat später teilte die Gemeinde Biennet bei Verdun mit, von nun an keine Steuern mehr zu zahlen. Wenn der Steuerbeamte dennoch darauf bestehen sollte, so werde man ihn umbringen.

Im Juli brach schließlich die Agrarrevolte aus. Fast überall wurden Schlösser geplündert und die Dokumente mit den feudalen grundherrlichen Rechtstiteln verbrannt. Unter dem Druck des Aufstandes verzichteten die adeligen und kirchlichen Abgeordneten der Nationalversammlung in der Nacht des 4. August feierlich auf alle ihre Privilegien.

Die Revolution des Jahres 1789 beendete gewaltsam die seit Jahrzehnten anhaltenden Auseinandersetzungen über die französische Agrarfrage. Diese Frage hatte alles andere überschattet, denn vom Brotpreis (und vom Weinpreis in den Weinbaugebieten) hingen wirtschaftlicher Wohlstand und politische Stabilität ab. Staatsbeamte, landwirtschaftliche Praktiker und ökonomische Theoretiker hatten zahllose Analysen und Lösungsvorschläge erarbeitet, und mehrmals nahmen Minister Reformvorhaben in Angriff – jedesmal vergeblich. Im Laufe der Auseinandersetzungen wurde bahnbrechende theoretische Pionierarbeit geleistet – von einer Schule, deren Anhänger sich Physiokraten nannten.

Vordenker dieser Schule war der Arzt François Quesnay. Er wurde 1694 im Dorf Méré, rund zwanzig Kilometer westlich von Versailles, als achtes von dreizehn Kindern geboren. Sein Vater war Landwirt, Krämer und eine Zeitlang Steuereinnehmer der Abtei Saint-Magloire. Mit elf Jahren konnte Quesnay noch nicht lesen, erhielt aber dann etwas Unterricht bei einem Gemüsegärtner, später vom Dorfküster und schließlich in der benachbarten Volksschule. Er soll viel und leidenschaftlich gelesen haben – soweit die Feldarbeit ihm dazu Zeit ließ.

Annes, rückständiges Land