Ich bin zum ersten Mal in der Bundesrepublik und in Europa. Es ist selten, daß ein Guerilla-Führer sich nach Bonn verirrt“, erklärte John Garang mit einem verschmitzten Lächeln. Der Chef der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) war unter erheblichen Sicherheitsrisiken in die Bundesrepublik gekommen – was gewiß auch als ein politisches Signal in Richtung Westen gedacht war.

Der Rebellenführer besuchte ein öffentliches Hearing des Unterausschusses für Menschenrechte im Bundestag. Thema: „Der Sudan und die Menschenrechte“. Selbst die Regierung in Khartoum hatte in letzter Minute eine hochrangige Delegation entsandt, um einen diplomatischen Durchbruch John Garangs zu konterkarieren. Doch der nutzte die Gunst der Stunde und erklärte: „Der Waffenstillstand wird für weitere vierzehn Tage fortgesetzt.“

Die Bundeshauptstadt ist oft ein Provinznest. Der Versuch, für ein solches Thema Journalisten zu interessieren, scheiterte an der Ahnungslosigkeit über den heftigsten Konflikt in Afrika: den Bürgerkrieg im Sudan. In dem seit 23 Jahren andauernden und nur in den Jahren zwischen 1973 und 1983 unterbrochenen Waffengang, der zwischen dem arabischen Norden und dem schwarzafrikanischen Süden tobt, war die am 1. April ausgerufene Feuerpause ein erster Lichtblick. Nun hat sie der Rebellenchef verlängert – ausgerechnet in Bonn.

John Garang befehligt 40 000 Kämpfer der SPLA – die Regierung verfügt über 80 000 Soldaten. In den letzten Monaten hat die SPLA eine Garnison nach der anderen erobert und einen engen Ring um Juba, die größte Stadt des Südsudan, gelegt. Mit Zustimmung beider kriegführender Parteien konnte die humanitäre Hilfe in den Süden erheblich ausgeweitet werden. Der Krieg geht allerdings weiter. Sicher auch nach dem Ende des Waffenstillstands am 14. Juni. R.N.