Sieben Greise schlugen die Rebellion der chinesischen Jugend nieder, doch ihr Sieg kann keine Dauer haben

Von Matthias Naß

Peking, Ende Mai

So könnte es gewesen sein: Sieben alte Männer treffen sich am 8. Mai in einem kleinen Zimmer irgendwo in Peking. Gemeinsam ist ihnen, daß keiner dem Politbüro der Kommunistischen Partei oder der Regierung angehört; gemeinsam ist ihnen ferner, daß keiner unter achtzig Jahre alt ist, zwei werden im Rollstuhl hereingefahren. Und doch treffen diese sieben Männer – Deng Xiaoping, Chen Yun, Yang Shangkun, Bo Yibo, Peng Zhen, Li Xiannian und Wang Zhen – zwei für China folgenschwere Entscheidungen: Der Protest der Studenten wird niedergeschlagen; Parteichef Zhao Ziyang, der Sympathien für die Demokratiebewegung gezeigt hat, wird entmachtet.

Daß es so gewesen ist, behauptet die South. China Morning Post, die über Pekinger Interna oft vorzüglich informierte, bisweilen aber auch munter spekulierende Hongkonger Tageszeitung. Vielleicht war es auch ganz anders. Aber in den letzten Tagen, da niemand genau wußte, was wirklich hinter den Mauern von Zhongnanhai, dem Allerheiligsten der chinesischen KP, geschah, da stündlich neue Gerüchte von Mund zu Mund eilten, klang die Geschichte von der Macht der sieben Greise und ihrer Nacht der langen Messer so unglaubhaft nicht.

Eines immerhin steht fest: Den Kampf um die Macht in der Partei haben die Hardliner um Deng Xiaoping und den Kriegsrechts-Premier Li Peng für sich entschieden. Der gemäßigte ZK-Generalsekretär Zhao Ziyang ist kaltgestellt worden. Mit Zhao werden wohl Hu Qili, Mitglied im Ständigen Ausschuß des Politbüros, Verteidigungsminister Qin Jiwei und Bao Tong, der Leiter des wichtigen Instituts für die Reform der politischen Struktur und ehemalige Sekretär des Parteichefs, ihre Posten verlieren. Der Vorwurf gegen die Gruppe um Zhao lautet, sie habe die Studentendemonstrationen ausnutzen wollen, um sich an die Macht zu putschen.

Die Angst geht um