Von Gunter Hofmann

Bonn, Ende Mai

In einer "freudlosen Republik" leben wir, in der es "kein Lachen" gibt. Nur das alte Selbstmitleid schimmert manchmal durch. So hat das der Franzose Alfred Grosser der Bundesrepublik zu ihrem vierzigsten Geburtstag ins Stammbuch geschrieben.

Woher das platte Klischee wohl kommt, das sich auch hierzulande eingebürgert hat? Wer beispielsweise die Kulturnacht im Park der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Bonn miterlebt hat, wo 7000 Gäste bei viel Musik und ohne verlogenen Tiefgang fröhlich in den Verfassungstag hineinfeierten – der kann das Verdikt von der freudlosen Republik mit ihrer ewigen Selbstkritik schon gar nicht mehr begreifen.

Der erste Akt der Selbstinszenierung der Republik aus Anlaß ihres vierzigsten Geburtstages ist also gerade aufgeführt worden. Er begann mit diesem fröhlichen Fest in der Sommernacht am Rheinufer, es folgte die Wiederwahl Richard von Weizsäckers und ein feierlicher Staatsakt am 24. Mai. Mit dem Bundesfest am 23. September in den Bonner Rheinauen soll der Vorhang wieder endgültig fallen.

Eine große "40" als Emblem war an der Vorderseite des Rednerpults angebracht, hinter dem Richard von Weizsäcker am 24. Mai in der Beethovenhalle stand. Diese kunstgewerbliche "40", von Designern entworfen, verriet bereits eine Menge von der Künstlichkeit des Projekts. Der schwarze Strich der Vier ging in die Null über, beide Zahlen wurden von einem schwarzrotgoldenen Band durchweht – Zahlen und Nationalfarben schräg nach oben gestellt, damit jeder erkennt: Es geht aufwärts mit uns.

Wir tun uns schwer mit Symbolen. Bis hinein in die Bundesversammlung und in den Staatsakt war das zu spüren. Da freut man sich, daß sogar die Mächtigen von Moskau bis Ost-Berlin auf die üblichen Gesten verzichten – und ausgerechnet in Bonn beendet ein uniformierter Kinderchor den Akt zur Wahl des Präsidenten. Als schließlich Rita Süssmuth dazu auffordert, die Nationalhymne zu singen, verlassen einige der Wahlfrauen und -männer den Saal.