„Ein Schrei in der Dunkelheit“ von Fred Schepisi

Noch ein Film für Fetischisten der actor’s method. Schon die ersten Bilder stellen alles klar: Es geht vor allem um Meryl Streeps Kunst, das Künstliche ganz natürlich, ganz selbstverständlich zu geben. Ob KZ-Überlebende („Sophie’s Choice“) oder kritische Gewerkschafterin („Silkwood“), ob bourgeoise Plantagenbesitzerin („Out of Africa“) oder verschlampte Alkoholikerin („Ironweed“), stets ist sie so überzeugend, als sei sie ihr Leben lang nichts anderes gewesen. Dabei zelebriert die Streep niemals ihre Kunst, wie etwa Dustin Hoffman. Sie geht, wie Robert De Niro, immer völlig auf in dem, was sie gerade verkörpert. Nun, in Schepisis „Cry in the Dark“, einem braven, behäbigen Dokudram, das bloß bebildert, was zu untersuchen oder zu dramatisieren wäre, zeigt Meryl Streep der Kino-Welt, was eine ländlich-derbe australische Adventistin ausmacht. Wie sie handelt und redet – mit Worten und dem Körper. Auch, wie leicht es zu ertragen ist, mit kurzen, schwarzen Haaren völlig lächerlich auszusehen. Andererseits geht es um ernste Dinge: um ein Familiendrama, das zur sozialen Tragödie wird, um falsches Bewußtsein, lasches Recht, giftige Medien. Vor allem aber geht es um das rätselhafte Verschwinden eines kleinen Babys. Und um die immer wiederkehrende Frage: War’s der Dingo? Oder doch die Mutter? Norbert Grob

„Sie leben“ von John Carpenter

Die Außerirdischen sind schon da. Sie leben. Und sie sehen aus wie wir. Mit dem Kapitalismus haben sie uns verführt, mit dem Fernsehen eingeschläfert und mit dem Konsum bestochen. Jetzt können sie ungestört die Umwelt verschmutzen, um eine ihnen bekömmlichere Atmosphäre zu schaffen. Mit der Ära Reagan, erzählt Carpenter, haben sie den Durchbruch geschafft. Alles ist eine Frage der Perspektive. Aber man kann es in „Sie leben“ drehen und wenden, wie man will, es gibt keinen Blickwinkel mehr, aus dem man die Wahrheit noch entdecken könnte. So perfekt haben die Außerirdischen unsere Welt infiltriert. Ihre Totengesichter kann man lediglich durch eine Spezialbrille erkennen. Und nur durch sie werden die unterschwelligen Botschaften in den Zeitschriften und auf den Plakatwänden sichtbar. „Sie leben“ ist so paranoid wie die kommunistischen Invasionsphantasien in den Science-fiction-Filmen der Fünfziger – nur sitzt der Feind diesmal woanders. Carpenter bevölkert seine Filme mit blinden Sehern und verrückten Predigern. Sie allein können die Zeichen deuten, – aber keiner hört ihnen zu. Darüber ist Carpenter richtig bösartig geworden. Nichts läßt er uns zum Trost: keine Hoffnung, keine Romanze, keine Identifikation. Sein Held heißt Nada. Spanisch für Nichts.

Michael Althen

„Im Zeichen der Jungfrau“ von Pat O’Connor

Als der irische Regisseur noch Patrick hieß, hatte er die Augen auf die Verwüstung des Lebens durch den Terrorismus gerichtet: „Cal“ war ein aufregender Debütfilm, der den Augenzeugen eines IRA-Attentats zum Mörder an den Tätern werden ließ. Als Patrick nach Hollywood ging, nannte er sich Pat und hatte die Augen an den Sternenhimmel von New York geheftet. Von dorther holte sich sein Drehbuchautor J. P. Shanley die Konstellation für diese Geschichte, die im Zeichen des Zufalls „January Man“ heißt.